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KEINE Solidarität mit dem Totalverweigerer Bastian

Vor kurzem haben wir hier eine Erklärung der Soligruppe für den Totalverweigerer Bastian Sturzebecher veröffentlicht.
Dafür möchten wir uns entschuldigen!

Kein Raum für Nationalisten und Quefrontler – Keine Solidarität mit Bastian S.!

In Bastians Erklärung gab es eine kritische Passage in welchem er sich positiv auf das „Volk“ bezogen hat. Da wir Völker als konstruiert und einen Bezug auf „Das Volk“ als reaktionär betrachten haben wir mit Bastian darüber diskutiert und schlussendlich seine Erklärung veröffentlicht, da wir eine unterschiedliche Einstellung in diesem einem Punkt tolerieren konnten.
Das in dieser Diskussion von Bastian ein Zitat von Oswald Spengler -einem Wegbereiter des Nationalsozialismus- verwendet wurde hatten wir als unrefkletierten Fehler Bastians akzeptiert.

Nun wurden wir darauf hingewiesen, dass Bastian auch von dem Querfrontlern der „Fahnenträger“ Zeitung unterstützt wird. Auf deren Seite werden nicht nur linke Gruppen verlinkt, sondern auch direkte Links zu eindeutigen Nazis (z.B. die „Aktionsgruppe Delemenhorst“) verbreitet.
Aus der StudiVZ Soligruppe für Bastian geht hervor, dass z.B. einer der Moderatoren Nico HC aus Teltow-Fläming ist. Diese beruft sich positiv auf einen kruden „Frühfaschismus“ und „Nationalsyndikalismus“ und behauptet aktiv beim Fahnenträger mitzuwirken. Auch andere Moderatoren und Unterstützer_innen zeigen deutliche rechte und querfrontlerische Tendenzen und Einflüsse.

Zu guter letzt ist in dem anarchistischen Forum Anarchismus.info ein Artikel Bastians aufgetaucht in welchem er versucht einen positiven linken Bezug zur Nation, zu einem „natürlichen volkswerdenden Prozess“und ähnlichem geistigen Durchfall herzustellen.

Hiermit fordern wir alle antimilitaristischen Initiativen und Einzelpersonen auf, Bastian konsequent aus allen Zusammenhängen zu kicken und in keiner Form zu unterstützen!

Gegen das Kontrukt von Volk und Nation – Deutschland totalverweigern!

Interview mit Jan-Patrick

Hier dokumentieren wir ein Interview welches das Utopia Online Magazin mit Jan-Patrick geführt hat.

„Der Zivildienst ist auch ein Kriegsdienst“
Dez 12th, 2008

Ein Gespräch mit dem Flensburger Totalverweigerer Jan-Patrick Ehlert, der nach 42 Tagen Militärarrest am 19. November aus der Haft entlassen wurde. Er hat sich bei der Bundeswehr geweigert, Befehle auszuführen und sowohl Kriegs- und als auch Zivildienst total verweigert. Nun droht ihm ein juristisches Nachspiel.

utopia: War deine „Totalverweigerung“ wirklich die richtige Entscheidung?

Jan-Patrick Ehlert: Ich habe keine andere Möglichkeit gesehen und bin auch im Nachhinein sehr mit meiner Entscheidung zufrieden. Auch wenn mich jetzt ein Gerichtsprozess erwartet.

Alternativ zum Dienst an der Waffe hättest du einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen und Zivildienst machen können, dann wärst du der militärischen Repression entgangen…

Der Zivildienst ist auch ein Kriegsdienst. Es gibt so genannte Richtlinien zum Verteidigungsfall, in denen vorgesehen ist, was Zivildienstleistende im möglichen Verteidigungsfall zu tun haben. Das sind unterstützende Maßnahmen wie beispielsweise Nahrungsmittellieferungen an die Bundeswehr. Zivildienstleistende sind daher kriegswichtig.

Zu deiner Zeit in Bundeswehrarrest: Die hast du gleich in mehreren Kasernen und teilweise in Isolationshaft – das heißt ohne Kontakt zur Außenwelt – verbracht. Auch deine Bücher wurden dir teilweise weggenommen. Hast du auch mal daran gedacht „aufzugeben“?

Ernsthaft daran gedacht habe ich nicht. Die ersten Tage waren noch die schwierigsten – man musste sich daran gewöhnen, nichts außer Lesen und Schreiben tun zu können. Ich habe schon überlegt, ob die Totalverweigerung richtig war; das hat sich mit der Zeit aber gelegt.

Wie haben denn die anderen Soldaten und Soldatinnen und vor allem andere Wehrdienstleistende auf deine Totalverweigerung reagiert?

Die andere Rekrutinnen und Rekruten waren natürlich alle sehr erstaunt, als ich während des Abendessens am ersten Tag in der Kaserne in Strausberg meine Totalverweigerung erklärt habe. Viel konnte ich nicht mit den anderen reden, weil ich dann mit dem Zugführer ins Büro gehen musste – er wollte natürlich mit mir sprechen. Danach soll es aber noch eine rege Diskussion unter den Soldatinnen und Soldaten gegeben haben.

Aber überzeugen konntest du keinen der anderen?

Ein Soldat auf meiner Stube – in der ersten Nacht durfte ich noch auf meiner Stube schlafen – hat auch gesagt, dass die Bundeswehr nichts für ihn ist und dass er überlegt, einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen. Was dabe heraus gekommen ist, weiß ich allerdings auch nicht, da ich ihn dann nicht mehr gesehen habe.

Neben den 42 Tagen, die du bereits in Haft verbracht hast, droht dir nun ein Gerichtsprozess. Weißt du schon, was als Strafe auf dich zukommt?

Moritz Kagelmann, der letztes Jahr wegen Totalverweigerung 55 Tage in Militärarrest verbrachte, wurde Anfang Oktober zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt – ich rechne mit einem ähnlichen Urteil.

Wurden dir während deiner Haft weitere Repressionsmaßnahmen seitens der Bundeswehr angedroht, um dich zu demotivieren?

Eigentlich nicht. Die meinten nur alle, dass ich mir meine Zukunft versaue. Ich habe dann aber richtig gestellt, dass es nie zu der möglichen Höchststrafe von 3 Jahren Haft kommen wird – das zeigt ja auch der Fall von Moritz. Ich habe mich darauf berufen, dass es bei mir sicherlich auch nicht viel höher sein wird.

Deine UnterstützerInnen-Gruppe hat viel Arbeit geleistet. Hast du im Arrest etwas von der Solidarität mitbekommen? Über deine Totalverweigerung wurde einiges berichtet…

Ich habe von meiner Soligruppe mehrmals Artikel aus Zeitungen bekommen. Alles habe ich bisher glaube ich nicht gelesen, das muss ich erstmal aufarbeiten.

Hast du dich denn schon gut von der Haft in der engen Zelle erholt?

Ich merke jetzt erst richtig, was mir alles gefehlt hat. Die Zeit ging eigentlich relativ zügig rum – sehr gelangweilt habe ich mich nicht.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim juristischen Nachspiel!

Interview: Michael Schulze von Glaßer

PM zur Totalverweigerung

Eine Pressemitteilung, u.a. von Jan-Patrick:

Verweigerung gegen die Kriegsmaschinerie

Zum 1. Dezember hat Hannes Weidmann (20) den Zivildienst verweigert und
wird damit als Totalverweigerer angesehen.
Gleichzeitig steht Jonas Ahlgrimm aus Gießen vor seinem Prozess mit dem
Vorwurf der Dienstflucht am 18. Dezember. Auch er ist Totalverweigerer,
so wie Jan-Patrick Ehlert, der am 19. November nach 42 Tagen aus dem
Militärgefängnis entlassen wurde.

Diese drei jungen Menschen haben sich bewusst dafür entschieden, mit
ihrer Totalverweigerung ein Zeichen gegen Gewalt, Militär und Zwang zu
setzen und dafür auch die Folgen in Kauf zu nehmen.

Jan- Patrick: „Aus meiner Sicht ist die Ablehnung des Wehr- und
Ersatzdienstes die einzige friedliche Möglichkeit gegen die Wehrplicht
direkt vorzugehen und der erste Schritt hin zu einer Welt ohne
Zwangsdienste. Jeder Zivildienstleistende legitimiert durch seinen
Dienst auch die Wehrplicht, da diese die Grundlage auch für den
Zivildienst darstellt.“
Somit ist die Totalverweigerung die einzige Möglichkeit eines
aufgeklärten Pazifisten nach seinem Gewissen zu handeln und legitim:
„Mein Ziel ist eine Herrschaftsfreie Welt ohne Armeen. Nichts ist
unmöglich – Utopien sind möglich.“

Jonas ist anerkannter Kriegsdienstverweigerer und ist nicht bereit den
vermeintlich zivilen Ersatzdienst zu leisten, durch den er im Ernstfall
im Rahmen des Katastrophenschutzes (als Sanitäter etc.) eingezogen
werden könnte und somit in den Kriegsapparat eingegliedert werden würde.
Am 17.12. um 17 Uhr findet für ihn eine Demonstration vom Uni-
Hauptgebäude (Ludwigstraße) aus in Gießen statt, am 18.12. treffen sich
seine Unterstützer um 9 Uhr vor dem Amtsgericht Gießen
(Gutfleischstraße) zu seinem Prozess.

Hannes ist zunächst als anerkannter Kriegsdienstverweigerer am 1.
Oktober zum Zivildienst angetreten, hatte aber wachsende Zweifel daran,
das Richtige zu tun. Sein Entschluss, nicht mehr zum Dienst zu
erscheinen ist für ihn der einzige konsequente Weg: „Ich lehne Gewalt in
Form von Krieg, Militarismus, Bevormundung und Zwangsarbeit ausnahmslos
ab. Der Zivildienst verkörpert aber direkt oder indirekt diese Formen
der Gewalt. Deshalb fordern wir die sofortige Abschaffung von jedem
Zwangsdienst; für eine solidarische Welt ohne Herrschaft und Gewalt.“

Wir haben uns zusammengeschlossen, um eine politische Öffentlichkeit
herzustellen und zusammen mit der Friedensbewegung weitere
Totalverweigerer zu unterstützen.

Unterstützt werden die Totalverweigerer von ihren Soligruppen vor Ort

Kontakte:
Jan- Patrick : totalverweigerung@riseup.net /
http://totalverweigerung.blogsport.de
Jonas: solid-giessen@gmx.net
Hannes: squattheworld@web.de

Jan-Patrick ist frei!

Endlich einmal ein Blogbeitrag mit guten Neuigkeiten: Jan-Patrick ist gestern aus der Bundeswehr „entlassen“ worden und nun auf dem Weg nach Hause.
Wir wollen an dieser Stelle noch einmal allen, die Jan-Patrick oder die soligruppe in irgendeiner Form unterstützt haben, ein großes DANKE ausrichten!

Leider steht nun höchstwahrscheinlich ein Prozess an – dieser wird aber (so wie wir die Justiz kennen) sicherlich erst in ca. einem Jahr statt finden. Dafür wird weiterhin Soli-Kohle gebraucht – also bestellt euch Shirts, macht Soli-Partys!

Der Blog und der Newsletter bleiben bestehen – hier werden weitere Soli- und Infoveranstaltungen angekündigt und irgendwann sicherlich noch ein Abschlussbericht veröffentlicht.

Zukünftige Totalverweigerer (v.a. welche die nach Strausberg sollen), können sich gern an uns wenden um mit Infos und Tipps versorgt zu werden.

Wiederentwaffnung jetzt!

viele grüße
die soligruppe.

zwischen.bericht.05

Heute war mal wieder Besuchstag für Jan-Patrick in Beelitz.
Bis auf lustig rumhampelnde Soldaten (sie nennen es „salutieren“) verlief der Besuch wenig spektakulär – Jan-Patrick wurde mit dem Überlebenswichtigen versorgt und gut unterhalten.
Ansonsten hofft er, dass er nun nächste Woche Mittwoch das letzte mal aus dem Arrest
entlassen wird um dann am Donnerstag „unehrenhaft“ aus der Bundeswehr zu fliegen. Alles andere wäre eine Schweinerei!

Nun aber zu seinem Bericht:

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zwischen.bericht.05

Der Besuch eines Freundes aus Berlin am 06.11. war eine willkommene Abwechslung für die kurze Stunde, die er dauerte. Da ich -wie schon häufiger erwähnt- nicht sonderlich viel Abwechslung erlebe, kam es so, dass das Gesprächsthema nur kurzzeitig mein Befinden im Arrest war. Es war einfach schön mal über was anderes, bzw. überhaupt mal ein bisschen zu reden (die Soldaten haben hier in Beelitz bislang ja kaum mit mir gesprochen). Außerdem konnte ich endlich mal wieder etwas mit Geschmack trinken. Ansonsten habe ich auf der Zelle nämlich nur Mineralwasser – und im „Mannschaftsheim“ einkaufen und auch noch Geld bei der Bundeswehr lassen muss ja nicht sein.
Am Tag nach dem Besuch kam leider keine Post für mich und so musste ich ohne beantwortete Briefe ins Wochenende gehen. Das Wochenende war bis auf eine kleine Ausnahme genauso langweilig wie das zuvor. Sonntag fand auf dem angrenzenden Sportplatz während meiner Ausgangszeit ein Fußballspiel statt, dass ich mir durch zwei Zäune anschaute. Meine Ausgangszeit durfte ich sogar um etwa 15 Minuten über strapazieren um bis zum Abpfiff zu schauen. Schön war das Spiel nicht, aber amüsant, weil einer der Schiedsrichterassistenten in der zweiten Halbzeit nur noch sporadisch am Spielfeldrand stand und die Fehler des Schiedsrichters lauthals kritisierte.
Montag gab es wieder ein wenig Post. Dabei war auch ein dicker Umschlag mit mehreren Briefen, der erst jetzt aus Holzdorf nach Strausberg und von dort nach Beelitz nachgeschickt wurde. So bekam ich Post, die teilweise über 2 Wochen alt war, erst jetzt. Dass manche von euch noch keine Antwort erhalten haben liegt somit daran. Ein weiterer Grund ist der, dass ich von einigen Menschen nicht zum ersten Mal Post bekam, nun aber eine Antwortadresse fehlt – und meine gesammelte Post in Strausberg im Spind liegt. Zu dem war ich am Wochenende zu sehr im „Harry-Potter“-Wahn, so dass ich es immer weiter verschob Briefe zu beantworten, die seither gekommen sind. Alles was noch nicht beantwortet ist wird ab Freitag beantwortet, bzw. sobald mir die Antwortadressen vorliegen.
Dienstag kam gar keine Post für mich an, dennoch bekam ich einen kurzen Besuch aus Strausberg. Mittwoch ist bisher niemand gekommen und aufgrund der Uhrzeit vermute ich, dass auch niemand kommen wird. Folglich wird auch heute keine Post für mich gekommen sein.
Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass die Soldaten keine Lust mehr aufs Autofahren haben oder mir aus einem anderen Grund keine Post mehr gebracht wird. Für den Fall, dass ihr Post so versendet habt, dass ich sie am 11. oder 12.11. hätte bekommen müssen, dann wäre das ein Indiz für letztere Vermutung. Vielleicht wollen aber heute [Mittwoch] aber auch bloß alle beim Gelöbnis in Strausberg dabei sein und weinen, wenn die andern ihre vaterländische Treue schwören.
Seit dem letzten Zwischenbericht scheinen die Soldaten komischerweise gesprächiger zu werden. Jedenfalls finden sich beim Rauchen oder beim Ausgang immer mal wieder ein Gesprächsthema. Klar sind das nicht unbedingt horizonterweiternde Gespräche, aber immerhin besser als ständig zu schweigen.
Heute kam übrigens ein neuer Arrestant in die Zelle nebenan. Kontaktmöglichkeiten gibt es aber keine, da getrennt zum Essen gegangen wird und sich die Wünsche zu rauchen nicht überschneiden. Allerdings ist der andere Arrestant auch „richtiger“ Soldat, der nur einfach gegenüber eines Vorgesetzten die Beherrschung verlor und die Hände nicht bei sich lassen konnte.
Gerade habe ich zum dritten Mal zu Hause anrufen können und nun die Namen meiner BesucherInnen erfahren. Somit hab ich morgen wieder etwas, auf das ich mich freuen kann.
Da sich dieser Bericht nun dem Ende neigt, möchte ich nochmal alle darauf hin weisen, dass ich die handvoll Briefe, die noch unbeantwortet sind, nun beantworten werde. Da dieser Arrest in sieben Tagen endet und dann mit jedem Tag meine „unehrenhafte“ Entlassung wahrscheinlich wird, will ich jetzt nicht erneut um mehr Briefe bitten. Wartet erstmal ab, ob es noch zu einem vierten Arrest kommen wird und macht dann im Fall des Arrestes so weiter wie vor drei Wochen noch. Die momentane Rate von etwa einem Brief täglich kommt nicht an die fünf-Briefe-je-Tag-Rate ran.
Naja, ich hab noch genug Bücher hier und weiß mir auch ohne Post die Zeit zu vertreiben….

drückt mir die Daumen….
Jan-Patrick (Pogo)

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Nun bleibt uns noch die Aufforderung an jeden Soldaten sich ein Beispiel an den beiden Arrestanten in Beelitz zu nehmen!
Wir sehen uns Samstag zur Kundgebung in Beelitz (mehr Infos unter Solidarität

zwischen.bericht.04

Gestern war Besuchszeit in Beelitz und so erreicht uns folgender Zwischenbericht von Jan-Patrick.

…und nicht vergessen: am 15.11. um 13:00 Kundgebung in Beelitz! Freiheit für Jan-Patrick!

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zwischen.bericht.04

Als ich am 30.10. wieder „meine“ Kaserne betrat, schleppte ich mich erstmal an meinem Gepäck über das halbe Kasernengelände hinweg fast zu Tode. Kaum hatte ich dieses abgelegt, ging es mal wieder zum Arzt zur Untersuchung auf Arresttauglichkeit. Zu meiner Verwunderung gab es diesmal nicht nochmal einen Befehl, den ich verweigert hätte, um mich vorläufig Festnehmen zu können wie es noch am 06.10 passiert ist. Vielleicht haben die Soldaten endlich verstanden, dass ich nicht einfach verschwinde. Dennoch konnte ich nur unter Begleitung zum Arzt oder rauchen gehen.
An meiner Tauglichkeit hatte sich natürlich nichts verändert und somit konnte es eigentlich losgehen. Allerdings wollte der „richtige Chef“ nochmal mit mir sprechen. Dieser Chef ist Oberstleutnant Sander und Kasernenleiter. Zugleich ist er wohl die unfreundlichste Person, die mir bei der Bundeswehr begegnet ist. Auch er wollte von mir persönlich nochmal hören, weshalb ich das mache, begann aber selbst erstmal zu schwadronieren. Als er dann sagte „Wenn meine Kinder so etwas machen würden, würde ich mir ernsthaft die Frage stellen , ob ich in der Erziehung etwas falsch gemacht hätte.“ wäre mir fast der Kragen geplatzt. Da dies aber keinen Sinn gehabt hätte und ich – anscheinend im Gegensatz zu ihm wie auch ein weiteres Beispiel zeigen wird- nachdenke, bevor ich spreche, hielt ich es für angebracht ihm nur kurz und knapp zu antworten und ihn über meine Gründe im Dunkeln zu lassen. Im Verlauf des Aufgrund dieser Tatsache recht einseitigen Gesprächs erklärte er mir dann offen, dass er „Soldat aus tiefster Überzeugung“ ist. Soll also heißen, dass er sich durch mich in seiner Vaterlandsliebe gekränkt fühlt, deshalb zunächst die erzieherischen Fähigkeiten meiner Eltern anzweifelt und mich aus demselben Grund so lange weg sperren will bis jemand von außen eingreift, also beispielsweise das Truppendienstgericht einen weiteren Antrag auf Arrest nicht statt gibt.
Nun gut, wenigstens lässt sich nun einwandfrei feststellen, dass spätestens dieser dritte Arrest nicht mehr den „erzieherischen Zweck“ verfolgt, den Bundeswehrarreste nur haben dürfen. Stattdessen dient dieser und jeder weitere Arrest als Strafe und ist somit rechtswidrig. Mein Anwalt wird sich in dieser Sache sicherlich ins Zeug legen, damit Oberstleutnant Sander sein offenbar gekränktes Ego nicht auf meine Kosten wieder aufpolieren kann.
Nach dem Gespräch war ich regelrecht froh in den Arrest zu kommen und zu wissen diese Person so schnell nicht wiederzusehen. 21 Tage Beelitz klang für einen Moment sogar fast nach Urlaub.
Gegen Mittag kam ich in der „neuen Heimat“ an und es hieß erstmal lange zeit zu warten bis der Papierkram erledigt war. Dabei saß ich in einem Büro zweier Soldaten, die mir während sie alles fertig machten, einen Kaffee anboten. Zum Schluss durfte ich neben meinem Anwalt auch noch meine Familie und meine MitbewohnerInnen anrufen, leider erreichte ich aber nur meine Familie, die aber anscheinend alles exakt weitergeleitet haben.
Da vor der Fahrt meine Post in Strausberg nicht eingepackt wurde und ein langes Wochenende vor der Tür stand blieb mir vier Tage nur das Lesen, was mir allerdings auch nichts machte. Ich hoffte so am Montag auf ganz viel Post aus einer Woche. Leider folgte dann die Ernüchterung: „Nur“ zwei Briefe kamen an, am Tag darauf war es aber deutlich mehr und den Poststempeln nach zu urteilen teils aus der Vorwoche. Die fünf Postsendungen täglich werden momentan zwar nicht erreicht, ich habe aber auch noch Lesestoff en masse. Dennoch würde ich mich über ein wenig mehr Post natürlich freuen und beantworte immer noch jeden Brief.
Die Tagesabläufe sind denen in Storkow und Holzdorf erwartungsgemäß ähnlich, allerdings ist es hier kein Problem, wenn ich außerhalb der „Hygienezeiten“ duschen möchte. Leider ist das Kasernengelände ein wenig klein, sodass ich mich in der Stunde Aufenthalt unter freiem Himmel an eine kleine Spazierstrecke halte, die mich nicht nur Gebäude sehen lässt. Zu meiner Empörung stellte ich fest, dass in diese Kaserne ein Übungsgelände mit dem Namen „Klein Kosovo“ existiert. Dieser Name ist auf den offiziellen Wegweisern im Kasernengelände ausgeschildert. Schön is‘ anders…

Nun ja, zu meiner Freude liegt Beelitz nicht im Nirgendwo und ich hatte Gelegenheit Menschen sofort darüber zu informieren, wo ich gelandet bin. Daher erwarte ich heute auch Besuch und nächste Woche scheint es auch ziemlich fest zu klappen. Ich freu mich jedenfalls darauf.
Das soll es erstmal gewesen sein….
Ich denke, dass der nächste Bericht nächste Woche da sein wird, obwohl dieser dann vermutlich weniger Neues enthalten wird.

Bis dann,

Jan-Patrick (Pogo)

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„Soldat aus tiefster Überzeugung“ – Oberleutnant Sander.

Protest-Postkarten / Post:

Kasernenkommandant / Oberstleutnant Peter Sander
Barnim-Kaserne
Umgehungsstraße 1
15344 Strausberg

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Nette Post an:

Jan-Patrick Ehlert
Barnim-Kaserne, 18. Kompanie Luftwaffenausbildungsregiment
Umgehungsstraße 1
15344 Strausberg

Soli-Kundgebung in Beelitz

Treffpunkt Berlin:
Berlin Wannsee 12:30 Gleis 6 (12:40 Bahn nach Beelitz-Stadt)

Gemeinsame Zugfahrt aus Schleswig Holstein:
Flensburg 4:00 Gleis 5
Neumünster 5:30 Gleis 4
Hamburg 6:40 Gleis 13a/b

Es wird zudem ein Megaphon geben, welches gerne für (kurze) Redebeiträge und Grußbotschaften an Jan-Patrick genutzt werden kann.

zwischen.bericht.03

Jan-Patrick befindet sich gerade -bis Donnerstag, den 30.10.- im Sonderurlaub und hat diese Zeit auch für einen weiteren Zwischenbericht genutzt.
Wir gehen davon aus, dass er dann morgen für 21 Tage in den Arrest kommen wird. Da die Verantwortlichen inzwischen gecheckt haben sollten, dass Jan-Patrick keinen Befehl gehorchen wird – und auch nicht durch Abstrafen, Isolierung und Schikanen dazu gebracht werden kann- hat dieser weitere Arrest einen deutlichen Strafcharakter. Nicht einmal nach geltendem Recht ist dies legitim.

Wir fordern von den Verantwortlichen die unverzügliche Entlassung Jan-Patricks aus der Bundeswehr!
Macht Aktionen, meldet euch (per Telefon, Postkarte, ..) bei der Bundeswehr und zeigt ihnen was wir von diesem Freiheitsentzug halten.

Hier nun der Bericht von Jan-Patrick:

Die zweite Woche in Holzdorf gestaltete sich für mich ziemlich genau wie die erste. Viel Neues wird man nun wohl nicht mehr von mir erwarten können. Einziger wichtiger Unterschied war, dass ich nun endlich die Möglichkeit hatte mit dem Anwalt und auch meinen MitbewohnerInnen ab und zu zu telefonieren, was die zweite Woche deutlich einfacher machte.

Am 2.10. wurde ich dann wieder abgeholt und es ging wieder zur nacharrestlichen Untersuchung. Diesmal war das Ziel eine Kaserne in Leipzig(!!!), wo der Arzt nur kurz ein Kreuz machen musste. Dann ging es zurück nach Holzdorf um meine beschlagnahmten Sachen (Feuerzeug, Handy, politische Aufkleber) abzuholen und dann fuhren wir nach Strausberg wo ich aus dem Arrest entlassen wurde. 5 Stunden Tour durch die Welt waren hinter mir, als ich die Nacht in Berlin bei Freunden verbrachte.

Am nächsten Morgen ging ich wieder in die Kaserne, wo die nächste Befehlsverweigerung anstand. Folglich kam es wieder zu einer vorläufigen Festnahme und den ganzen Papierkram. Auch der nächste Arrest wurde beantragt und der Antrag sieht 21 Tage vor. Was das Truppendienstgericht entschieden hat, erfahre ich morgen am Donnerstag, zu nahezu 100 Prozent wird der Antrag wie geschrieben genehmigt worden sein. Momentan sitze ich nämlich bei meinen Eltern. Aus familären Gründen, die nicht näher erläutert werden müssen, wurde mir bis zum 30.10. um 7:30 Uhr Sonderurlaub gewährt.

Somit ist mit höchster Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, dass ich vom 30.10. bis einschließlich dem 19.11. im Arrest sitze. Wo dieser Arrest vollstreckt wird, weiß ich auch noch nicht. Jedenfalls sind die Arrestzellen in Strausberg immer noch nicht offizell benutzbar, weil am Haupttor eine Straße neu asphaltiert wird.

Ich möchte euch nun noch gerne meinen Dank für eure Briefe und Päckchen zukommen lassen, die mir das Leben wirklich erleichtern. Natürlich werden nun 21 Tage am Stück noch etwas härter, aber, wenn ihr so weiter macht wie zuvor, wird es mir gut ergehen.

Bis demnächst

Jan-Patrick

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An dieser Stelle auch nochmal von der soligruppe vielen dank an alle, die uns und vor allem Jan-Patrick bislang in irgendeiner Form unterstützt haben.
Besonders gefreut hat uns das Interview welches FSK mit uns gemacht hat (hier) und das super Soli-Konzert in Eckernförde.

zwischen.bericht.02

Heute ist ein Brief von Jan-Patrick angekommen – er schildert ein wenig den Verlauf der ersten Woche in Holzdorf aus seiner Sicht.
Zumindest das Mysterium mit den verspäteten Briefen hat sich nun auch aufgeklärt (siehe Brief).

zwischen.bericht.02:

Zweiter Arrest: Erste Woche in Holzdorf.
Nachdem ich am Montag, den 13.10, nach meinem „freien Abend“ morgens zu spät in die Kaserne kam, wurde mir sofort ein neuer Befehl gestellt. Ich solle am „Military Fitness“ mit „meinem“ Zug teilnehmen.
Es folgt nach Verneinung eine Wiederholung, die ebenfalls von mir abgelehnt wurde. Es folgte wieder die vorläufige Festnahme und ein Verhör in dem ich wieder die Aussage verweigerte. Dann geschah endlich etwas neues. Ich sollte zum Kommandeur gebracht werden. Dort angekommen unterhielt ich mich mit ihm ein wenig. Er erwähnte Moritz vom Jahr zuvor, ich erklärte kurz gefasst wieso, weshalb, warum ich das mache und dann sagte er, er würde nicht daran glauben, dass die erzieherische Wirkung des Arrestes bei mir auftreten wird und kündigte an, 18 Tage zu beantragen, damit jeder das lange Wochenende nutzen könne und mich dort niemand auf dem Samstag abholen muss (dass der Arrest in Holzdorf stattfindet, sagt er er auch).
Bis um 16:00 gammelte ich dann in einem Büro herum. Als ich essen ging, wurde mir lustiger weise keine Begleitung an die Hacken gehaftet, so dass ich seelenruhig allein über das Gelände schlenderte und locker hätte verschwinden können. Immerhin war direkt hinter der Truppenküche das Drehkreuz, dass direkt zum Bahnhof dort führte, von wo aus alle 20 Minuten eine S-Bahn nach Berlin fährt. Naja, ich ging essen, rauchte danach eine und setzte mich wieder in das langweilige Büro.
Nachdem ich ärztlich wieder für „arresttauglich“ erklärt wurde dauerte es nicht mehr lang und ich wurde nach Holzdorf gebracht. 90 Minuten! 90 verdammte Minuten dauerte die Fahrt! Von Berlin aus wären es dann sicher zwei Stunden.
Mir persönlich war es zwar egal wo ich nun in der Zelle säße – Abwechslung ist immer gut- mich ärgerte es nur, weil meine Besucher_innen allesamt von Berlin aus anreisen würden und manche zuvor noch aus Schleswig Holstein kommen müssten.
Angekommen gab es erstmal ein Lunchpaket zu futtern. Viel darin konnte ich nicht verwerten, weil auch Kadaver dabei waren, aber ich war satt genug. Nach dem einräumen meines Spindes und meiner Zelle rauchte ich noch eine Zigarette und relativ schnell war es dann auch Schlafenszeit.
Die nächsten Tage vergingen relativ schnell und alle genau wie in Storkow. Nur die Zeiten waren ein wenig anders aufgeteilt.
Dienstags wollte ich eigentlich schon einen Brief abgeschickt haben, damit mir Tabak geschickt wird – abends bekam ich meine Post allerdings wieder und mir wurde gesagt, diese könne ich auf meiner Stunde Spaziergang zur Postsstelle bringen. Also tat ich dies auch am nächsten Tag zwischen 14 und 15 Uhr. Ich dachte mir, wenn die Post Mittwoch weg war, so käme sie Donnerstag zu Hause an und Freitag wäre der Tabak dann hier. Aus meinem letzten Tabak drehte ich mir 14 Zigaretten und teilte sie mir ein. Freitag beim Spaziergang rauchte ich die letzte und hoffte auf die Post, die mir immer gegen 15:00 Uhr aus Strausberg gebracht wurde. Natürlich war nichts dabei. Also jedenfalls kein Tabak. Dafür konnte ich mich über einen kurzen Brief aus Portugal freuen. Nun war klar, dass ich bis Montag warten musste. Mittlerweile ist es Donnerstag schätzungsweise 11:00 Uhr und gerade komme ich, bis auf leichte, dafür aber andauernde, Kopfschmerzen gut zurecht. Schlimm war es nur gestern Vormittag nach dem Frühstück. Das war der bisherige Höhepunkt des Entzugs – zumindest wollte ich an diesem Punkt mehr als je zuvor eine rauchen, schwitzte und war zittrig.
Das Schwitzen hörte schnell komplett auf. Rauchen möchte ich immer noch gern, aber das Warten auf morgen ist kein Problem. Zittern tue ich zwischen durch mal ein wenig, so wie gestern beim Mittagessen. Nach dem Essen nimmt man sein Tablett und schiebt es in einen „Tablettwagen“. Ich muss so sehr gezittert haben, dass ich das Tablett auf der einen Seite nicht richtig rein schob und ich es nur mit meiner linken Hand hielt. Als ich schließlich das Gefühl hatte, das Tablett wäre verstaut und ich meine Hände entfernte, sah ich das Tablett in Zeitlupe fallen.
Nun gut, vor allem die Nichtraucher_innen unter euch wird es nicht so sehr interessieren, aber jetzt gerade ist meine schwierigste Zeit bisher im Arrest. Wenn man gerade liest oder schreibt und man aus Nervosität mit den Füßen zuckt und daran denken muss wie gerne man gerade jetzt rauchen würde und das ständig passiert – in Hochzeiten (nein, hier heiratet niemand) minütlich- dann vergeht die Zeit irgendwann verdammt langsam.
Zum Glück habe ich noch einiges an Süßigkeiten hier und auch in Strausberg im Spind, aber seit Freitag hat der Zuckerkonsum doch enorm zugenommen. Es ist wirklich so, dass Naschen (vielleicht auch Essen generell) absolut in dieser Situation hilft. Ein klein wenig Nachschub kann auf jeden Fall nicht schaden, zumal ich schätzungsweise (realistisch) noch etwa vier Wochen hier sein werde und vielleicht (hoffentlich nicht) geht mir der Tabak und das Geld (Tabak kann ich auch in der Kaserne kaufen) nicht nochmal aus.
So, eine Bitte hätte ich noch. Mittlerweile habe ich wohl schon über dreißig Briefe geschrieben und irgendwann (ca. beim 10.) hatte ich keine Lust mehr immer dasselbe zu schreiben. Viel ändert sich einfach nicht. Ich meine, ich freue mich wahnsinnig über jeden Brief und beantworte auch jeden gerne, aber über den Verlauf des Arrestes schreib ich nur noch, wenn konkrete Fragen dazu gestellt werden. Also tut dies bitte auch.
Pogo (Jan-Patrick)

Zwischenstand 21.10.08

Gestern hat es der Anwalt geschafft mit Jan-Patrick zu telefonieren. Ihm gehts wohl soweit ganz gut.
Es werden grade Beschwerden bezüglich einiger rechtlich fragwürdiger Aktionen der Bundeswehr eingereicht. Allerdings ist ein großer Teil der Schikanenen rechtlich legititmes Mittel gegen Totalverweigerer – nichts anderes haben wir von diesem „Recht“ erwartet!
Jan-Patrick berichtet, dass die Post -trotz der Verlegung- einigermassen pünktlich ankommt. Briefe von ihm werden allerdings immer erst verspätet verschickt.
Desweiteren sind diesmal die Besuchszeiten geregelt und es wird den Bundies nicht gelingen einen zweiten Besuchstag zu unterbinden.
Am Sonntag endet sein Arrest nun -also noch einmal Zeit der Bundeswehr klar zu machen, dass sie Jan-Patrick danach frei zu lassen hat!
Allerdings ist wohl zu erwarten, dass er am Montag wieder in den Arrest kommt. Zeigt also dem Laatz und den anderen Verantwortlichen was wir davon halten, einige Ideen dazu findet ihr hier

Ausserdem wollen wir euch noch auf ein Soli Konzert am Samstag in Eckernförde hinweisen – kommt vorbei, spendet Geld und schaut euch die grandiosen Bands an: