Totalverweigerung in Strausberg

Dieser Blog handelt von dem Totalverweigerer Jan-Patrick. Er saß 42 Tage im Militär-Arrest und wurde zu einer Geldstrafe auf Bewährung verurteilt.

Ansonsten findet Ihr hier die wichtigsten Grundinfos zu der Totalverweigerung:

  • Erklärung Jan-Patricks zur Totalverweigerung
  • Deutschland Totalverweigern! Flyer der Soligruppe
  • Englische Version von dem Flyer der Soligruppe
  • Flyer der Soligruppe als PDF (2. Auflage)
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    Erklärung von Jan-Patrick zur Totalverweigerung

    Ab dem ersten Oktober befinde ich mich in Strausberg, zwischen Berlin und der deutsch-polnischen Grenze. Dort soll ich dann meinen Grundwehrdienst antreten. Dass ich die Kaserne dann allerdings nicht als fügsamer Soldat betreten werde, werden die Bundeswehrbediensteten erst kurz darauf erfahren, wenn sich die erste Gelegenheit bietet einen Befehl zu verweigern. Dann werde ich klarstellen, dass ich als Totalverweigerer nach Strausberg gefahren bin.
    Wie genau es vor Ort ablaufen wird, lässt sich nur erahnen. Sicher ist eigentlich nur, dass dort eine Arrestzelle auf mich wartet. Wie oft und wie lang ich jeweils eingesperrt werde, lässt sich ebenfalls nur vermuten, allerdings führt wohl kein Weg um die Höchststrafe von 21 Tagen Arrest herum. Der erste Arrest wird wahrscheinlich noch deutlich kürzer ausfallen, allerdings kann es schon beim zweiten zu den vollen 21 Tagen kommen.

    Als der Einberufungsbescheid bei mir ankam, musste ich lange überlegen was ich nun machen würde. Klar, Wehrdienst und Deutschland im Ernstfall verteidigen kam auf keinen Fall in Frage. Da blieb also nicht mehr viel. Auf der einen Seite stand die Option „Zivildienst“. Einfach ein paar Seiten argumentieren und abwarten (die meisten kommen ja ohne Probleme durch) und dann halt hoffen eine gute Stelle zu finden um neun Monate den Kram zu ertragen.
    Auf der anderen Seite war dann die „totale Kriegsdienstverweigerung“. Viel Arbeit für mich und andere, der Arrest und letztlich viel Ärger (wahrscheinlich vor allem finanziell).
    So grob betrachtet fällt jedem die Entscheidung ziemlich leicht, dennoch habe ich mich für die Totalverweigerung entscheiden. Nachfolgende (stark verkürzte/vereinfachte) Argumentation spielt dabei eine wichtige Rolle.

    Konsequente linkradikale Politik muss auch immer gegen das Konstrukt „Staat“ gerichtet sein. Moderne Staaten entstanden erst mit dem Kapitalismus und der schleichenden Industrialisierung. Wachsende Industrien einhergehend mit Gewinnabsichten erfordern ein hohes Maß an Organisation, dass durch diese modernen Staaten geschaffen wurde. Heute sorgt der Staat mit seinem Rechtssystem dafür, dass nichts passiert, was nicht so gewollt ist. Damit dies auch so bleibt liegt das Gewaltmonopol eben auch beim Staat. Die ArbeiterInnen, die meinen zu wenig zu bekommen, müssen eben in den dargebotenen Grenzen bleiben, die nicht mehr als das „bisschen Streik“ vorsehen. Andererseits verbietet er aber auch Ausbeutung, weil ansonsten die Masse der ArbeiterInnen aufbegehren könnte. Die meisten ArbeiterInnen finden sich mit der Situation ab, denn sie sind ja „relativ frei“ und die Unternehmen machen immer noch genug Gewinn, sodass diese sich nicht beschweren.
    Damit sorgt der Staat für das Weiterbestehen des Kapitalismus (der ihn erst nötig gemacht hat).
    Nach außen hin sind Staaten (oder mittlerweile Staatenverbände) durch Grenzen verschlossen um zu vermeiden, dass Einflüsse oder Menschen hinein getragen werden könnten, die der Existenz des Staates schaden. Um diese Grenzen zu rechtfertigen wurden Konstrukte wie „Rasse“ oder „Nation“ geschaffen…

    Im Wehrdienst wird man dazu ausgebildet diese Grenzen im sogenannten „Gesamtverteidigungsfall“ zu verteidigen. Neben den Grenzen des deutschen Staates gilt dies auch für die Verteidigung der NATO.
    Wozu braucht es aber Menschen, die den Zivildienst ableisten?
    Auch für diese Menschen ist in den „Rahmenrichtlinien für die Gesamtverteidigung“ (RRGV) eine Verwendung vorgesehen. So gehört zu den Aufgaben der „zivilen Verteidigung“ u.a. die Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktion und die Unterstützung der Streitkräfte bei der Herstellung und Aufrechterhaltung der Verteidigungsfähigkeit und Operationsfreiheit.
    Das bedeutet nichts anderes als die Maschine am Laufen zu halten, die wir sonst versuchen zu bekämpfen.

    Folgerichtig bleibt für radikale Linke eigentlich nur eine konsequente Möglichkeit: Die Totalverweigerung!

    Wie genau es mir in der Arrestzelle ergehen wird, kann ich kaum abschätzen. Allerdings kann ich mit Sicherheit sagen, dass es todlangweilig sein wird.
    Deshalb:

    Schreibt mir Briefe und schickt Pakete!

    Bis bald in Freiheit

    Pogo (Jan-Patrick)

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    Deutschland Totalverweigern

    Solidarität mit dem Totalverweigerer Jan-Patrick

    Am 1.10. wird Jan-Patrick von der Bundeswehr eingezogen. Er soll zum Luftwaffenausbildungsregiment in Strausberg (nahe Berlin). Er wird die Kaserne freiwillig betreten, dort dann aber jeden Befehl verweigern. Er wird Totalverweigern.
    Zu erwarten ist, dass er dann direkt in den Arrest der Bundeswehr gelangt. Zu nächst wahrscheinlich nur für einige Tage, nach einem Tag Unterbrechung kann dann aber sofort die Bundeswehr interne „Höchststrafe“ von 21 Tagen Arrest eintreten – und das im schlimmsten Fall einige mal hintereinander.
    Arrest bei der Bundeswehr bedeutet 23 Stunden am Tag in einer Einzelzelle, einmal die Woche für eine Stunde Besuch und zum Glück uneingeschränkt Post. Nachdem die Armee ihre Repressionsmöglichkeiten ausgeschöpft hat, kommt Jan-Patrick wieder frei und wird dann nach einiger Zeit wahrscheinlich mit einem Prozess konfrontiert werden.

    Totalverweigerung

    Die Totalverweigerung ist eine radikale Absage an Militarismus, an konstruierte Grenzen und Nationen. Sie ist die konsequente Verweigerung, Teil des Militärappartes zu werden und sich von Autoritäten die Art und Weise der eigenen Lebensführung vorschreiben zu lassen. Sie ist konsequenter Protest gegen globale Kriege, Ausbeutung und Ausgrenzungen – von denen nicht zuletzt Europa und Deutschland, durch billige Produkte aus Ausbeutungsbetrieben oder durch (Waffen-)Exporte profitieren.
    Mit diesem Schritt verteidigt Jan-Patrick sein Recht auf Selbstbestimmung – und landet wohl erst einmal im Knast.

    Bundeswehr

    Die Bundeswehr hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Sie ist nun weltweit im Namen von „Humanität“, „Demokratie“ und „Frieden“ in Kriegseinsätzen involviert.
    Mit der der Gründung des KSK (Kommando Spezial Kräfte) 1996 wandelte sich die ehemalige „Verteidigungsarmee“ endgültig zur Angriffsarmee. Dass die KSK und ihr Kommandant sich dabei in der Tradition der Wehrmacht sehen, scheint niemanden zu stören und ist schließlich auch nur ein weiterer Ausdruck der nicht vorhandenen Auseinandersetzung innerhalb der Bundeswehr mit den Wehrmachtsverbrechen.
    Staatlich geführte Kriege sind niemals im Interesse von Humanität, Frieden und Freiheit. Krieg ist ein machtpolitisches Element, mit welchem die Staaten ihre Macht verfestigen und ausweiten. Krieg ist und bleibt ein Verbrechen, und „Soldaten bleiben Mörder“.

    Nicht nur dass die Bundeswehr weltweit in Kriege involviert ist – sie sorgt auch für eine Militarisierung im Inneren. Der diskutierte Einsatz der Bundeswehr bei Großdemonstrationen, der dann schließlich, auch ohne Rechtsgrundlage, beim G8 2007 in Heiligendamm durchgeführt wurde, ist nur eine Spitze dieser Tendenz. Andere Ausdrücke sind die Rekrutierungsveranstaltungen in Arbeitsämtern, Infotische in der Innenstadt (oder vor Schulen) oder Propagandaveranstaltungen mit der Bundeswehr Big Band.
    So schafft sich die Bundeswehr Akzeptanz. Akzeptanz für globale Kriege, für Hierarchien, für Männerbünde und eine menschenverachtende Ideologie.
    Eine militarisierte Gesellschaft, die geprägt von Angst und Hass, von Befehl und Gehorsam, in den Menschen hinter den erfundenen – aber trotzdem sehr realen – Grenzen nur Feinde und Störenfriede sieht, ist die negativ Utopie, die wir verhindern werden.

    Es gibt tausend weitere Gründe gegen die Bundeswehr und Militarismus zu sein, sie würden den Umfang sprengen.
    Es geht uns, den Unterstützer_innen des Totalverweigerers, aber auch gar nicht nur um eine radikale Ablehnung der Bundeswehr. Es geht darum den kapitalistischen Normalzustand nicht zu akzeptieren, denn dieser bedeutet Krieg, Unterdrückung und Armut – weltweit und permanent.
    Eine Verweigerung gegenüber den Strukturen, die diese Weltordnung aufrecht erhalten, kann nur bei jedem und jeder selbst anfangen. Im Kampf für ein selbstbestimmtes, herrschaftsfreies Leben stoßen wir zwangsweise immer wieder mit Autoritäten – in diesem Fall dem Militär – zusammen. Hier beginnt unser Widerstand.

    Der Zivildienst

    Der so genannte Zivildienst ist ein Ersatzdienst für den Dienst an der Waffe.
    Im „Kriegsfall“ sind die Aufgaben der ehemaligen Zivis u.a. die „zivile Verteidigung“ – was im Endeffekt schlichtweg bedeutet, dass sie für die Aufrechterhaltung des Militär- und Kriegsapparates zuständig sind. Angesichts moderner Kriegsführung, in welcher die Anzahl der Soldaten immer mehr an Bedeutung verliert, eine für den Staat unverzichtbare Aufgabe.
    Damit ist der Zivildienst integraler Bestandteil der Kriegsführung.
    Zivildienst ist Kriegsdienst – die Verklärung als Alternative zum Soldatentum ist bloße Augenwischerei und sorgt dafür, das potentiell aktive Antimilitaristen ruhig gestellt sind.
    Ein weiterer unschöner Nebeneffekt des Zivildienstes ist, dass dieser inzwischen für die Caritas und Altenpflege in Deutschland unverzichtbar geworden ist und daher so eine Abschaffung der Wehrpflicht behindert wird.
    Die Abschaffung der Wehrpflicht ist allerdings keine Lösung, wir fordern die Abschaffung der kompletten Armee.
    Für ernsthafte (radikale) Linke, Antimilitaristen oder emanzipatorisch denkende Menschen gibt es keine konsequente Alternative zur Totalverweigerung.

    Solidarität

    Die Totalverweigerung Jan-Patricks betrifft uns also alle. Es geht uns alle an, dass jemand im Knast sitzt – für seine Ideen und für seine individuelle Selbstbestimmung.
    Totalverweigerung ist nicht sonderlich populär. Was vor allem an den zu befürchtenden Konsequenzen liegt. Neben dem Bundeswehr-Arrest wartet ein Gerichtsverfahren auf den Totalverweigerer. Um so mehr braucht Jan-Patrick unsere Unterstützung.

    Sammelt Geld, macht Aktionen, schafft Öffentlichkeit und lasst Jan-Patrick nicht allein – schreibt Briefe und schickt Pakete.

    Schaut auf totalverweigerung.blogsport.de – für aktuelle Infos, Kontaktmöglichkeiten und Bankverbindung.

    oder tragt euch per E-Mail an totalverweigerung|@|riseup.net in den Mailverteiler ein.

    Jan-Patricks Adresse in Strausberg im Arrest:

    Jan-Patrick Ehlert
    Barnim-Kaserne, 18. Kompanie Luftwaffenausbildungsregiment
    Umgehungsstraße 1
    15344 Strausberg

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    Abolish Conscription – Now!

    Show your solidarity with the total refuser Jan-Patrick!

    The German federal armed forces will draft Jan-Patrick on the first of October. He should go to the air force instruction regiment in Strausberg (near Berlin). He will enter the barracks voluntarily but he will refuse any command. We expect, that he will be arrested immediately. First of all just for a few days, after one day of interruption it is likely that he is sentenced to federal armed forces internal maximum penalty of 21 days- in the worst case a couple of times.
    To be arrested in the German army means 23 hours a day in a solitary cell, once a week one hour visiting time and -if you are lucky- boundless access to your post.

    Total refusement

    total refusement is a radical refusal of militarism, constructed borders and nations. It is the forceful rejection of being a part of the military apparatus. It is the denial of a way of life, which is forced by authorities. It is a strong protest against global wars, exploitation and the phenomenon of exclusion, and the profits that are gained by Europe and at least Germany trough cheap products of sweatshops and weapon exports.
    With this step Jan-Patrick defends his right of a self-determined life… but it is even a step into the jail.

    German federal armed forces

    there occurred a change in the federal armed forces the past few years. It is involved in in global sorties of „humanity”, “democracy” and “peace”.
    The formation of the KSK(special-forces) in 1996 changed the “defend-army” into an aggressive army. The fact that the KSK and its commander see the KSK in tradition of the Wermacht does not concern anybody and shows that federal armed forces does not dispute with the cruel crimes of WW2.
    Wars that are directed by nations never on behalf of peace, humanity or freedom. War is an element of aggressive policy used by nations to gain in power and influence.
    War is crime and soldiers are murderer!

    As a matter of fact the federal armed forces aren‘t “just” involved in worldwide wars- it militarize the society. The discussion about missions against big demonstrations, which occurred while G8-demonstrations 2007 in Heiligendamm without legitimation of law is just the peak of this process. You can also find recruiting-events in employment centers, information-tables in some cities(and even in front of schools) and propaganda-events with the Big Band of the federal armed forces.
    That is how the federal armed forces gain acceptance. Acceptance for global wars, hierarchies, male societies and inhuman ideology.
    A militarized society defined by fear and hate, order and obedience and constructed borders, where people behind those borders are enemies and mischiefs, is the dystopia we are going to prevent.
    There are still thousands of reasons to dislike the army and militarism, but the bounds of this paper would break.

    It is not just the point of totally rejection towards the army. It is about not to accept the capitalistic normality because this means war, poverty and oppression- worldwide and anytime.
    Rejecting those structures, that keeps the world turning as it is, begins by every single one of us. In this fight for a free and self-determined life we often collide with authorities, this time it is the army.
    Here starts our resistance!

    Civilian service

    so called civilian service is an alternative to service on arms. In case of war, former civilian servants have to make sure that “civil defending” is working. That means to keep the war-apparatus working. With sight on modern warfare, in which the number of soldiers looses significance, this is an important assignment.
    As a matter of fact civilian service is a part of warfare.
    Civilian service is just an instrument to keep active anti-militarists calm, with showing an “alternative”.
    Another effect is that civil service is an important part of Carita and elderly care, this causes that abolishing compulsory military service is constricted.
    But the abolishment of military service is not the solution! We demand abolition of the German federal armed forces and any other army!
    There is no alternative for anybody whom defines him-herself as (radical) left wing, anti militaristic or emancipator y than total refusement.

    Solidarity

    Jan-Patrick’s total refusement affects all of us. if there is somebody sentenced to jail because of his ideas and his need of a self defined life, we should show our solidarity.
    Total refusement isn‘t very popular. The biggest reason might be the consequences. Aside from arrest there is going to come a military proceeding.
    Jan-Patrick needs our support seriously.

    Do actions, showcase this refusement and collect money. don‘t let Jan-Patrick stay on his own! Write letters and send packets.

    Visit totalverweigerung.blogsport.de for news, contact and bank data.
    Or sign up on newsletter with sending an e-mail to totalverweigerung|@|riseup.net

    Jan-Patrick’s address while his is under arrest in Strausberg:

    Jan-Patrick Ehlert
    Barnim-Kaserne, 18. Kompanie Luftwaffenausbildungsregiment
    Umgehungsstrasse 1
    15344 Strausberg
    Germany