TKDV Verfahren in Lübeck

Im folgenden dokumentieren wir den Flyer von Fabian aus Lübeck.
Ihm steht grade das dritte (!) Verfahren wegen seine Totalverweigerung bevor.

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Totalverweigerung – Selbstbestimmt gegen Arbeitszwang und Krieg

Im Folgenden möchte ich einen kurzen Ein- und Überblick über den bisherigen Ablauf meiner Totalverweigerung geben, sowie kurz auf einen Teil meiner Beweggründe eingehen, die mich dazu brachten, mich der Wehrpflicht komplett zu widersetzen.


Wie alles begann

Im Oktober `06 fuhr ich nach Damp mit der Absicht in der Ostseeklinik den Zivildienst anzutreten, vorerst…. Bis zur Konfrontation und dem Hinterfragen der Realität glaubte ich mich als staatlich anerkannter Kriegsdienst- verweigerer wohlbehütet und mit meinen Vorstellung im Einklang.

Nun aber, am besagten Tag X angekommen, merkte ich bereits nach wenigen Minuten, dass hier was nicht stimmt. Insbesondere als mir plötzlich ein neuer Mietvertrag für eine Wohnung vorgelegt wurde und ich aufgefordert wurde diesen zu Unterschreiben. Moment dachte ich, habe doch eine Wohnung wieso das jetzt, mein Vorschlag zur täglichen Heimfahrt aber interessierte nicht; wohnen im Heim, Heimfahrt wird in den ersten 3 Monaten nicht gewehrt, Anwesenheit wird außerhalb des Dienstes überwacht, Dienstliche Anordnung.

Mir lag der Arbeitszwang, Nix anderes ist der Zivildienst, von Anfang an quer aber aus meinem Umfeld reißen lassen, mir diktieren lassen wo ich wohnen soll und wann ich im Bett sein soll, da war nach 2 Stunden klar, ich und der Zivildienst das wird so nix.

Somit beschloss ich der Zivildienstpflicht nicht nachzukommen und fuhr nach Hause.

3mal bekam ich noch Besuch von BAZ(Bundesamt für Zivildienst)-Mitarbeitern zu Hause, die mir sofortigen Fahrtdienst zur Dienststelle anboten und mich aufforderten “vernünftig zu sein“, dieser Aufforderung kam ich nach und lehnte ab.

Diese geplanten gravierenden Einschnitte in mein Selbstbestimmungsrecht waren die ersten Schritte auf dem Weg zu meiner Totalverweigerung.


Anerkannter Kriegsdienstverweigerer alles Lug alles Trug oder auch mal was in Frage stellen

Reichlich spät aber immer hin besser als nie begann ich nun mich mit dem Zivildienst und der ganzen Thematik genauer zu befassen und was da zu Vorschein kam ist das es mir als Kriegsdienstverweigerer schon vollkommen absurd vorkommt, das ich jemals vor hatte die Wehrpflicht in Form von Zivildienst überhaupt zu erfüllen.

Der Zivildienst ist zur Verfügung stellen billiger Arbeitskräfte meist im sozialen Bereich. Den größten Vorteil haben die privaten Sozialdienstleistungsunternehmen, diese können aus der nicht enden wollenden Flut zwangsrekrutierter Zivis schöpfen und somit ihrer Personalbedarf mit billigen Arbeitskräften decken und brauchen keine Stellen mit ausgebildeten Personal, in festen und Arbeitsverhältnissen besetzen. Dies fördert selbstverständlich die Gewinnmaximierung der jeweiligen Unternehmen. Der Zivildienst ist nicht wie gesetzlich angepriesen Arbeitsplatz neutral.
Auch ist die Frage zu stellen, warum brauchen wir überhaut einen Zwangsdienst um die Hilfe von Bedürftigen sicherzustellen. Gibt es etwa nicht genügend Menschen, die freiwillig sich in sozialen oder ökologischen Bereichen engagieren. Ist die Gesellschaft unsozial???

Der Zivi wird erheblich in seinen Grundrechten eingeschränkt. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit, der Freiheit der Person, der Freizügigkeit sprich freie Wohnungswahl, das Recht der Unverletzlichkeit der Wohnung sowie das Petitionsrecht werden im Rahmen des Zivildienstgesetz(§30 ZDG) eingeschränkt. Dem Zivi ist politische Aktivität verboten, des weiteren wird das Recht auf freie Meinungsäußerung zum Erhalt des Friedens in der Truppe eingeschränkt(§29ZDG).

Zivildienst ist ein reiner Zwangsdienst, denn der Zivi hat keine Möglichkeit sich dem Dienst zu widersetzen, zu kündigen oder ähnliches. Der Zivi ist verpflichtet allen dienstlichen Anordnungen, auch bei Gefahr für Leib und leben, folge zu leisten(§27 ZDG).Eine Verweigerung eines Befehls oder einer Anordnung kann den Zivi bis zu 5 Jahr ins Gefängnis bringen(§52 u.53ZDG). Das befolgen einer Anordnung befreit den Zivi von seiner
Verantwortung (§30ZDG). Damit ist der Zivildienst, ähnlich wie eine Armee, auf dem militaristischen Prinzip des Befehl und Gehorsams aufgebaut. Dieses Prinzip ermöglicht ein paar wenigen Macht über viele auszuüben und sie somit unter der Androhung von Strafe für seine/ihre Interessen zu instrumentalisieren. Auch wird somit die Verantwortung des einzelnen der vielen auf ein paar wenig abgelegt. Einige bekannte und grausame Beispiele wohin diese Befehlssystematik führen kann, zeigt die deutsche Geschichte des Öfteren. Der Nationalsozialismus war ein Paradebeispiel für eine perfekt durchmilitarisierte Gesellschaft.

§ 3 Wehrpflichtgesetz: “Wehrpflicht wird durch Wehr- oder Zivildienst erfüllt“
Tatsache ist, dass der Zivildienst im Rahmen der Wehrpflicht stattfindet und diese damit auch legitimiert.
Die Einführung der Wehrpflicht war schon immer eine Idee von Kaiser, Diktatoren und Regierungen um Menschen meist unterer Gesellschaftsschichten als Soldaten Zwangszugverpflichten. Meist wurden Wehrpflichtarmeen für Angriffskriege verwendet, in Deutschland noch nie zu ihrem eigentlichen Grund der Verteidigung. In den Weltkriegen wurden Millionen junger Männer im Namen der Wehrpflicht auf den Schlachtfeldern verheizt. Die Einführung der Wehrpflicht nach ‘45 wurde nur durch Änderung des Grundgesetzes möglich der Wille „Nie Wieder Krieg“ wurde nur wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg wieder gebrochen.
Die Wehrpflicht zwingt junge Männer, sich in einer prägsamen Lebensphase des Tötens und Getötet werden ausbilden zu lassen, sich das Prinzip befehlen und gehorchen zu verinnerlichen und einem militärischen Drill zu unterziehen, dieser angenommene Militarismus wird dann meist mit in die Gesellschaft getragen und fördert die Militarisierung der Gesellschaft. Wehrpflicht bedeutet, Menschen dazu zu erziehen ohne langes denken automatisch zu töten.

Der Zivildienst geht aus den Wehrgesetzen hervor, das Zivildienstgesetz ist vom Wesengehalt identisch mit dem Wehrgesetz. Der Zivildienst ist Bestandteil der deutschen Militärstrategie. Der Zivi kann im sogenannten Kriegs- oder Spannungsfall zu einem unbefristeten Dienst jederzeit eingezogen werden(§79ZDG).
Er ist im Konzept der Gesamtverteidigung Bestandteil der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit(ZMZ), die ihn verpflichten Teil kriegerischer Machenschaften zu werden, er wird somit mitverantwortlich für einen reibungslosen Kriegsablauf.
In diesem Zusammenhang ist vorgesehen, dem Zivi Aufgaben wie z.B. im Lazarettdienst an der Front, bei der Triage(Verletztenselektion auf den Schlachtfeldern) oder Versorgungshilfe für die kämpfende Truppe zu zuteilen, selbstverständlich alles ohne Waffe. Der Zivi untersteht im Verteidigungsfall oder Spannungsfall direkt
der Befehlsgewalt des Verteidigungsministeriums. Der Zivildienst ist somit unverzichtbarer Faktor der militärischen Gesamtkonzeption der BRD und der Nato.
Heutzutage wurde schon öfters in Diskussionen über einen Einsatz von Zivildienstleistende im Ausland, den neuen Aufgaben der Bundeswehr angepasst, debattiert. Gesetzesentwurf für Wehrrechtsänderung 2007 Drucksache 16/7955 dt. Bundestag:
“Die Wehrdienstart der Hilfeleistung ist an die neue Form der zivil-militärischen Zusammenarbeit im Katastrophenfall anzupassen, die sofortige Heranziehung dieser Personen bei einer Hilfeleistung im Ausland ist auf eine gesicherte gesetzliche Grundlage zu stellen.“ Das der Zivi künftig,bei der Versorgung von entstandenen “Kolalateralschäden“ durch Bundeswehreinsätze eingesetzt werden könnt, ist bei solchen Überlegungen, nicht auszuschließen.

Krieg bedeutet Zerstörung von sämtlichen Lebensgrundlagen aller Lebewesen, Krieg ist keine Konfliktlösung sondern Eskalation, Krieg ist Mord, Leid und Elend, meist an Unschuldigen, Krieg ist Geld- und Rohstoffverschwendung, Krieg löst keine Probleme sondern vermehrt sie, immer.
In Zeiten, nur 65 Jahre nach dem 2.Weltkieg,wo Sonntagszüge wieder überfüllt sind von uniformierten Soldaten, wo Rüstungsausgaben wieder in schwindelerregender Höhe sind(BRD: 30Milliarden im Jahr), wo der Planet übersät ist von Kriegsgeschwüren wie nie zuvor und Deutschland als 3. größter Waffenexporteur diese kräftig anfacht als ein Land das schon einmal die halbe Welt in Schutt und Asche gelegt hat und dazu noch meint der Welt wieder Frieden und Freiheit mit Panzern und Tornados zu bringen, sowie in Zukunft vermehrt Wohlstandssicherung mit Angriffskriegen im Ausland betreiben will, erachte ich es als wichtig ein Zeichen gegen Krieg und Militarismus zu setzen.

das konnte ja nie was werden denn:

Für mich als Kriegsdienstverweigerer es nicht tragbar, dass ich zu einem kriegsrelevanten Dienst herangezogen werden könnte. Auch wenn der Verteidigungsfall in Deutschland zurzeit nicht absehbar ist, ist das Bestehen solcher Gesetze für mich vollkommen ausreichend. Ich bin nicht bereit, mich diesen Gesetzen zu unterwerfen, denn Kriegsdienstverweigerung bedeutet für mich, Ablehnung aller Dienst mit militärischem Zusammenhang, aller militärischen Strukturen, sowie dem Militarismus in all seinen Erscheinungsformen damit vor allem auch das Prinzip des Befehlens und Gehorchens.
Ich werde mich weder mit noch ohne Waffe, weder direkt noch indirekt am Morden von Armee beteiligen.
Weiter ist es für mich nicht möglich, die Wehrpflicht zu leisten oder zu legitimieren, sondern diese perverse Erfindung in all ihren Erscheinungsformen abzulehnen und für eine endgültige Abschaffung eben dieser zu kämpfen und der gesamten Armee natürlich gleich mit.
Auch lehne ich den Arbeitszwang wie auch im Grundgesetz verankert ab. Für mich, als KDVer, ist keine Form von Zwang und Unterdrückung akzeptabel. Die grundlegende Ablehnung, von Zwang und Zwangsdiensten gehört für mich zum Inhalt des Begriffs Kriegsdienstverweigerung. Krieg ist auch lediglich eine Form von zwingen, und zwar mit militärischen Mitteln. Denn das Zusammenspiel von Zwang und Krieg bzw. Zwang, Willens-und Interessendurchsetzung und Unterdrückung durch Krieg oder Gewaltanwendung, gehört unweigerlich zusammen.
Des weiteren müssen nach meiner Auffassung die Menschenrechte und Grundrechte zu jeder Zeit für jede und jeden gewahrt werden, weder in Zeiten des Notstandes noch in Zeiten von Spannungsfällen, Verteidigungsfällen oder sonstigen „Dienstzeiten“ oder überhaupt dürfen diese außer Kraft gesetzt werden.
Auch ist es um für mich nicht hinnehmbar, nicht meine politische oder sonstige Meinungen kund tun zu dürfen. Das Verbot politischer Aktivität ist ebenfalls nicht hinnehmbar. Gegen den Maulkorb.
Ich stehe für selbstbestimmtes Leben und für verantwortungsvolles Handeln eines jeden einzelnen Individuums und deshalb werde ich nicht gegen meinen Willen, mein Gewissen und meine politische Überzeugung, die Wehrpflicht erfüllen. Mein Streben und Handeln ist darauf ausgerichtet, mich für ein solidarisches und friedliches Zusammenleben ohne Unterdrückung zu engagieren und jeglichen Formen kriegerischen Treibens entgegenzutreten.

Was weiter geschah

Anklageschrift wegen Dienstflucht, Gerichtstermin März 07, 1.Prozess (Ag Eckernförde); Ich Rechenschaft abgelegt, warum ich mittlerweile auch aus Gewissengründen sowie aus moralischer und politischer Überzeugung den Wehrdienst nicht antreten kann und will und niemals werde.
Gelangweilter, genervter und desinteressierter Richter und Staatsanwalt: Ihre Ansichten sind zum Teil lobenswert, aber es geht hier nicht um Krieg und Frieden, sondern ums Kartoffelnschälen zu Gunsten der Allgemeinheit vor der ich mich verantwortungslos drücken will. 90 Tagessätze a 10 euro, keine Berufung.
Mein FreiwiligesSozialesJahr, was ich freiwillig und außerhalb der Wehrpflichtgesetze absolvierte, wurde entgegen meiner angeblichen “Verantwortungslosigkeit“ nicht angerechnet.

Klappe die zweite

Nur wenig Wochen später morgens in der Post. BAZ: Wir fordern Sie auf, den Zivildienst in der Ostseeklinik Damp sofort aufzunehmen oder wir werden ein Strafverfahren gegen Sie einleiten.
Ich glaube ich spinne äh die spinnen, aber zu diesem Zeitpunkt war mir die penetrante Verfolgung und Wiedereinberufung durch das BAZ sowie Thema Doppelbestrafung bereits ein Begriff.

Ich blieb fernünftig und verweigerte weiterhin die Einbindung meiner Person in jegliche militärische Strukturen, inbegriffen Zivildienst sowie Zwangsdienste jeglicher Art.

Was folgte: Anklageschrift wegen Dienstflucht, Gerichtstermin Dezember ‘07, 2. Prozess(Ag Eckernförde); ich versuchte wiederum kurz zu erläutern, warum ich Krieg scheiße finde, warum ich Außerkraftsetzen von Grund-
rechten scheiße finde, warum ich Hierarchien scheiße finde und was das ganze nun mit dem Zivildienst zu tun hat und warum ich ebendeshalb ebendiesen nicht antreten kann. Des Weiteren machte ich die Richterschaft
auf den Artikel im Grundgesetz, der das Verbot einer Mehrfachbestrafung für dieselbe Tat, aufmerksam. Dies schien die Herren alles nicht wirklich zu interessieren, Verurteilung zu 5 Monaten auf 3 Jahre Bewährung und 100 Zwangsarbeitsstunden(Forderung der Staatsanwaltschaft waren 3Monate) und den netten Hinweis bei näxten Mal, und dies wird laut seinen Hellseherichen Fähigkeiten kommen, geht’s in Knast für Sie, also mich.

Dies mir nun etwas sehr übertrieben und willkürlich erscheinende Treiben der Herrschaften des Amtsgerichts Eckernförde veranlasste mich mit Hilfe meiner Anwältin in Berufung zu gehen.

Monate später, im September ‘08, kam es beim Landgericht Kiel zur Berufungsverhandlung. Im groben tat ich wieder das kund, was ich bei den Prozessen vorher tat, mit der schwindend geringen Hoffnung auf Anerkennung und Freispruch. Meine Anwältin versuchte die juristische Lage etwas zu verdeutlichen, z.B. das Mehrfachbestrafung Grundgesetzwidrig ist, das es in Deutschland Gewissensfreiheit gibt, zumindest geschrieben, und es wichtig ist diese Rechte zu wahren.
Nach 6-stündiger Verhandlung waren sich Richter und seine Schöffen einig: ich sei lediglich ein staatsfeindlicher, verantwortungsloser Drückeberger ohne Gewissen und deshalb wird die Berufung mit der weiteren Begründung, mann müsse meiner Rechtsfeindlichen Gesinnung nun endlich Einhalt gebieten, verworfen.

Meiner Meinung nach ist Menschen ihr Gewissen abzusprechen und sie willkürlich juristisch zu Bestrafen weil sie sich militärischen Zwangsdiensten widersetzen verantwortungslos und lebensfeindlich, but the reality here 2009.


The Show must go on

Wer jetzt denkt das war’s, der hat sich getäuscht, denn noch bevor ich das Urteil der Berufungsverhandlung im Briefkasten hatte, bekam ich wieder Post vom BAZ: Erneute Einberufung zum Zivildienst, Zivildienstschule Schleife in Ostsachsen.

Diesmal wendete ich mich mit kaum einer Hoffnung ans BAZ, schrieb meine Gründe auf etliche Seiten Papier warum ich Zivildienst und die Wehrpflicht nicht antreten kann, das übliche, mit der bitte mich freizustellen und dies treiben zu unterbinden, aber nix, da ich kein Polizist, Pfarrer oder Politiker bin, nicht verheiratet bin und keine 2 Brüder im Krieg verloren habe kann mann da nichts machen. Ich muss.

Ich blieb auch dem schönem Schleife fern, das war dann Oktober 2008.

Im Oktober 2009 bekam ich Post vom Amtsgericht Lübeck mit der Anklage wegen Dienstflucht und damit sind wir in der Gegenwart angelangt….

Und die Moral der Geschicht

Das ganze ist eigentlich ein ziemliches Schreckensgespenst und zeigt, wie‘s ums Grundrecht, Selbstbestimmungsrecht und dem Antimilitarismus 2009 steht.
Spätestens nach dem 1. Prozess mit Verurteilung wegen Dienstflucht, ist das klar verfassungswidrige Treiben der Gerichte juristisch nicht mehr haltbar, denn das Grundgesetz sieht in Art.103 ein Verbot der Doppel bzw. Mehrfachbestrafung wegen der selben “Straftat“ vor. Von der “Gewissensfreiheit“ ganz zu Schweigen.

Aber im Anbetracht der herrschenden Verhältnisse und der reaktionäre Tradition hier zu Lande, ist es nicht weiter wunderlich, das gegen Menschen die sich gegen Wehrpflicht, Krieg und dem Staatskonformen Alltagswahnsinn wiedersetzen und für eine friedvolle und solidarische Welt einstehen, Vaterstaat Keinen Halt mehr kennt und Grundrecht schon gar nicht.
Selbst mein Anwalt sagt dass er so etwas noch nicht erlebt hat.
Was die Zukunft bringen wird für mich, viel Arbeit, viel Nerv, viele Kosten und die Angst einem willkürlichen operierenden Staatsaperrat gegenüber zu stehen, der es vorsieht mich, wegen meiner antimilitaristischen Einstellung, in den Knast zu bringen.
Was ich machen werde ist weiter zu dem zu stehen was ich mache und nach vorn zu sehen.
Denn was ich mir wünsch und wofür ich kämpfe … dasz wir endlich anfangen zu kapieren, das Krieg, Herrschaft und Zwang scheisse sind und das es möglich, ist diese zu beseitigen und wir beginnen uns Verhaltensmustern, die dem schaffen eines solidarischen und friedfertigen Zusammenlebens entgegenstehen, zu beseitigen.
Sowie breiten Protest und Widerstand
gegen jegliche Formen von Krieg, Militarismus, Herrschaft und Zwang,
gegen das Frieden schaffen mit viel Waffen,


für die vegane Revolution und viel viel mehr

Fabian aus Lübeck

Prozesstermin: Di. 9.Februar 2010, 11:15, Amtsgericht Lübeck, Saal 263
Kontakt: Totalverweigerung – Lübeck, Willy-Brandt-Allee 9, 23554 Lübeck
oder ehr ungern: Waltraut-againstWAR@gmx[punkt]net

Kriegsdienstverweigerer Finn ist frei.

Der Kriegsdienstverweigerer Finn ist frei. Er wurde heute von den Verantwortlichen in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg vom Dienst beurlaubt, da sein Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer (KDV-Antrag) bearbeitet worden ist. Zitat eines der Verantwortlichen Militärs: „Ich habe noch nie erlebt, dass ein KDV-Antrag so schnell bearbeitet wurde.“
Dabei sah es am Anfang ganz anders aus. Die Bearbeitung eines KDV-Antrages kann mehrere Wochen dauern. In dieser Zeit ist der Betroffene immer noch Soldat, und muss in der Kaserne dienen. Das es letztlich doch ziemlich schnell ging, liegt auch daran, dass es Menschen gab, die per Telefon im Kreiswehrersatz nachfragten, wie der Verfahrensstand gerade sei. Außerdem bekam Finn täglich Post von UnterstützerInnen. „Die vielen Briefe waren jedenfalls richtig cool. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Menschen gibt, die sich für sowas engagieren. Danke an alle, die mich unterstützt haben!“ bedankt sich Finn bei allen solidarischen UnterstützerInnen.

Finn wurde zum 4.1.2010 zum Wehrdienst im 7.Bataillon Elektronische Kampfführung in die Clausewitz-Kaserne in Nienburg einberufen. „Ich bin zur Bundeswehr gegangen, weil ich wissen wollte, was an den Gerüchten dran ist“, kommentiert Finn seine damalige Entscheidung. „Ich dachte: Das sind doch auch nur Menschen. Das kann doch nicht so schlimm sein.“ Mittlerweile sieht Finn das anders: „Erst hier beim Bund sieht man Waffen in Wirklichkeit. Das ist ganz anders als im Fernsehen. Erst hier habe ich verstanden, dass diese Dinger nur zum Töten da sind!“
Aus diesen Zweifeln heraus hat sich Finn entschieden, den Wehrdienst zu verweigern, und am Montag, den 11.1.2010 seinen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer abgegeben. In den darauffolgenden Tagen gab es immer wieder Außeinandersetzungen . Die Militärs bestanden darauf, dass Finn seine Haare schneiden lässt, was dieser ablehnte. Am Donnerstag kam das Einlenken. Finn erhielt lediglich eine Ausgangssperre von 10 Tagen, das Thema „Haareschneiden“ war vom Tisch.

Am letzten Mittwoch fand in Berlin zudem eine Soli-Aktion für Finn am Kriegsministerium statt. Auf Bannern forderten Aktivist_Innen die Freilassung von Finn und die Abschaffung der Bundeswehr. Die Aktion verlief ohne Probleme oder Personalienfeststellung.

„Wir sind sehr glücklich über den guten Ausgang der Kampagne“ sagte Jan Hansen, Mitglied der Husumer Initiative „militarismus-jetzt.stoppen.de.vu“. „Unser Erfolg zeigt, dass es mit relativ kleinen Kampagnen gelingen kann, auch einen riesigen Herrschaftsapparat wie die Bundeswehr unter Druck zu setzen!“ Laut Hansen sei dies dem Legitimationsdefizit der Bundeswehr in der Bevölkerung geschuldet. Dadurch, dass sich der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan immer mehr als Krieg entlarve, stünden auch die Militärs unter einen immer höheren Rechtfertigungsdruck. Deshalb würden diese vermeidbare Auseinandersetzungen vermeiden.

Finn verweigert Kriegsdienst

Zum 4.1.2010 wurde Finn Ingwersen aus Bredstedt (Nordfriesland) zum Wehrdienst im 7.Bataillon Elektronische Kampfführung 912 in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg/Weser eingezogen. „Ich bin zur Bundeswehr gegangen, weil ich wissen wollte, was an den Gerüchten dran ist.“ kommentiert Finn seine damalige Entscheidung. „Ich dachte: Das sind doch auch nur Menschen. Das kann doch nicht so schlimm sein.“ Mittlerweile sieht Finn das anders: „Erst hier beim Bund sieht man Waffen in Wirklichkeit. Das ist ganz anders als im Fernsehen. Erst hier habe ich verstanden, dass diese Dinger nur zum Töten da sind!“ Außerdem verstünde er nicht, wie sich Menschen ernstlich einbilden könnten, dass sie ausgerüstet mit diesen Tötungsinstrumenten Schulen bauen oder Brunnen bohren könnten. Zudem seien ihm seit seinem Einrücken ernsthafte Zweifel an der Legitimität eines bewaffneten Zwangsapparates wie der Bundeswehr gekommen. „Mittlerweile lehne ich den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen ab“.
Heute (Montag, 11.1.10) hat Finn seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung abgegeben. Damit kann er eigentlich nicht mehr zum Bedienen von Waffen gezwungen werden. Allerdings ist unklar, wie lange die Bearbeitung des Antrages in der Militärbürokratie braucht. Eine ungewissen Zeit für Finn: „Da ich aus meinen Zweifeln keinen Hehl gemacht habe, wurde mir bereits mit Arrest gedroht.“ Besonderes Streitthema mit seinen Vorgesetzten seien bisher Finns lange rote Dreadlocks gewesen. Da er sich weigerte, diese abzuschneiden, wurde ihm eine Frist bis Sonntag abend gesetzt, diese zu entfernen. Für den Fall, dass er am Morgen die Haare noch habe, wurde ihm direkt mit 28 Tagen Arrest gedroht. Er hat die Haare zwar noch, doch die latenter Drohung des Arrestes schwebt immer noch über ihm.

Doch Finn hat Unterstützer: „Wir werden Finn nicht im Stich lassen. Für den Fall, dass der KDV-Antrag verschleppt, oder Finn im Arrest landet, werden wir Druck auf die Bundeswehr aussüben!“ sagte Jan Hansen vom der Husumer Initiative www.militarismus-jetzt-stoppen.de.vu Es bereits jetzt wichtig, an Finn zu schreiben, da damit zum einen den Militärs gezeigt werde, dass es eine kritische Öffentlichkeit zu Finns Fall gebe, und außerdem würde dies den Verweigerer in seinem Beschluss bestärken, fügte Hansen hinzu. „Schreibt bitte an

Finn Ingwersen,
Clausewitz-Kaserne,
7. Bataillon elektronische Kampfführung,
Am Rehhagen 10,
31573 Nienburg/Weser!“

Infos zur Kriegsdienstverweigerung von SoldatInnen klick hier.

mehr Infos: http://www.militarismus-jetzt-stoppen.de.vu

Frankie macht Totalverweigerung!

Einzugstermin!
Frankie macht Totalverweigerung! Sektempfang

Am 1.12. wird Frankie in die Zivildienstschule in Ritterhude eingezogen.
Aber er wird dort nicht erscheinen.

Frankie hat keinen Bock und will lieber mit euch einen Trinken und
ergreift damit eine antimilitaristische Initiative statt Zwangsarbeit
nachzugehen!

Mehr beim Sektempfang im Café der Alten Meierei.

19:00 Uhr
Alte Meierei (Hornheimer Weg 2, Kiel)

KEINE Solidarität mit dem Totalverweigerer Bastian

Vor kurzem haben wir hier eine Erklärung der Soligruppe für den Totalverweigerer Bastian Sturzebecher veröffentlicht.
Dafür möchten wir uns entschuldigen!

Kein Raum für Nationalisten und Quefrontler – Keine Solidarität mit Bastian S.!

In Bastians Erklärung gab es eine kritische Passage in welchem er sich positiv auf das „Volk“ bezogen hat. Da wir Völker als konstruiert und einen Bezug auf „Das Volk“ als reaktionär betrachten haben wir mit Bastian darüber diskutiert und schlussendlich seine Erklärung veröffentlicht, da wir eine unterschiedliche Einstellung in diesem einem Punkt tolerieren konnten.
Das in dieser Diskussion von Bastian ein Zitat von Oswald Spengler -einem Wegbereiter des Nationalsozialismus- verwendet wurde hatten wir als unrefkletierten Fehler Bastians akzeptiert.

Nun wurden wir darauf hingewiesen, dass Bastian auch von dem Querfrontlern der „Fahnenträger“ Zeitung unterstützt wird. Auf deren Seite werden nicht nur linke Gruppen verlinkt, sondern auch direkte Links zu eindeutigen Nazis (z.B. die „Aktionsgruppe Delemenhorst“) verbreitet.
Aus der StudiVZ Soligruppe für Bastian geht hervor, dass z.B. einer der Moderatoren Nico HC aus Teltow-Fläming ist. Diese beruft sich positiv auf einen kruden „Frühfaschismus“ und „Nationalsyndikalismus“ und behauptet aktiv beim Fahnenträger mitzuwirken. Auch andere Moderatoren und Unterstützer_innen zeigen deutliche rechte und querfrontlerische Tendenzen und Einflüsse.

Zu guter letzt ist in dem anarchistischen Forum Anarchismus.info ein Artikel Bastians aufgetaucht in welchem er versucht einen positiven linken Bezug zur Nation, zu einem „natürlichen volkswerdenden Prozess“und ähnlichem geistigen Durchfall herzustellen.

Hiermit fordern wir alle antimilitaristischen Initiativen und Einzelpersonen auf, Bastian konsequent aus allen Zusammenhängen zu kicken und in keiner Form zu unterstützen!

Gegen das Kontrukt von Volk und Nation – Deutschland totalverweigern!

Interview mit Jan-Patrick

Hier dokumentieren wir ein Interview welches das Utopia Online Magazin mit Jan-Patrick geführt hat.

„Der Zivildienst ist auch ein Kriegsdienst“
Dez 12th, 2008

Ein Gespräch mit dem Flensburger Totalverweigerer Jan-Patrick Ehlert, der nach 42 Tagen Militärarrest am 19. November aus der Haft entlassen wurde. Er hat sich bei der Bundeswehr geweigert, Befehle auszuführen und sowohl Kriegs- und als auch Zivildienst total verweigert. Nun droht ihm ein juristisches Nachspiel.

utopia: War deine „Totalverweigerung“ wirklich die richtige Entscheidung?

Jan-Patrick Ehlert: Ich habe keine andere Möglichkeit gesehen und bin auch im Nachhinein sehr mit meiner Entscheidung zufrieden. Auch wenn mich jetzt ein Gerichtsprozess erwartet.

Alternativ zum Dienst an der Waffe hättest du einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen und Zivildienst machen können, dann wärst du der militärischen Repression entgangen…

Der Zivildienst ist auch ein Kriegsdienst. Es gibt so genannte Richtlinien zum Verteidigungsfall, in denen vorgesehen ist, was Zivildienstleistende im möglichen Verteidigungsfall zu tun haben. Das sind unterstützende Maßnahmen wie beispielsweise Nahrungsmittellieferungen an die Bundeswehr. Zivildienstleistende sind daher kriegswichtig.

Zu deiner Zeit in Bundeswehrarrest: Die hast du gleich in mehreren Kasernen und teilweise in Isolationshaft – das heißt ohne Kontakt zur Außenwelt – verbracht. Auch deine Bücher wurden dir teilweise weggenommen. Hast du auch mal daran gedacht „aufzugeben“?

Ernsthaft daran gedacht habe ich nicht. Die ersten Tage waren noch die schwierigsten – man musste sich daran gewöhnen, nichts außer Lesen und Schreiben tun zu können. Ich habe schon überlegt, ob die Totalverweigerung richtig war; das hat sich mit der Zeit aber gelegt.

Wie haben denn die anderen Soldaten und Soldatinnen und vor allem andere Wehrdienstleistende auf deine Totalverweigerung reagiert?

Die andere Rekrutinnen und Rekruten waren natürlich alle sehr erstaunt, als ich während des Abendessens am ersten Tag in der Kaserne in Strausberg meine Totalverweigerung erklärt habe. Viel konnte ich nicht mit den anderen reden, weil ich dann mit dem Zugführer ins Büro gehen musste – er wollte natürlich mit mir sprechen. Danach soll es aber noch eine rege Diskussion unter den Soldatinnen und Soldaten gegeben haben.

Aber überzeugen konntest du keinen der anderen?

Ein Soldat auf meiner Stube – in der ersten Nacht durfte ich noch auf meiner Stube schlafen – hat auch gesagt, dass die Bundeswehr nichts für ihn ist und dass er überlegt, einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen. Was dabe heraus gekommen ist, weiß ich allerdings auch nicht, da ich ihn dann nicht mehr gesehen habe.

Neben den 42 Tagen, die du bereits in Haft verbracht hast, droht dir nun ein Gerichtsprozess. Weißt du schon, was als Strafe auf dich zukommt?

Moritz Kagelmann, der letztes Jahr wegen Totalverweigerung 55 Tage in Militärarrest verbrachte, wurde Anfang Oktober zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt – ich rechne mit einem ähnlichen Urteil.

Wurden dir während deiner Haft weitere Repressionsmaßnahmen seitens der Bundeswehr angedroht, um dich zu demotivieren?

Eigentlich nicht. Die meinten nur alle, dass ich mir meine Zukunft versaue. Ich habe dann aber richtig gestellt, dass es nie zu der möglichen Höchststrafe von 3 Jahren Haft kommen wird – das zeigt ja auch der Fall von Moritz. Ich habe mich darauf berufen, dass es bei mir sicherlich auch nicht viel höher sein wird.

Deine UnterstützerInnen-Gruppe hat viel Arbeit geleistet. Hast du im Arrest etwas von der Solidarität mitbekommen? Über deine Totalverweigerung wurde einiges berichtet…

Ich habe von meiner Soligruppe mehrmals Artikel aus Zeitungen bekommen. Alles habe ich bisher glaube ich nicht gelesen, das muss ich erstmal aufarbeiten.

Hast du dich denn schon gut von der Haft in der engen Zelle erholt?

Ich merke jetzt erst richtig, was mir alles gefehlt hat. Die Zeit ging eigentlich relativ zügig rum – sehr gelangweilt habe ich mich nicht.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim juristischen Nachspiel!

Interview: Michael Schulze von Glaßer

PM zur Totalverweigerung

Eine Pressemitteilung, u.a. von Jan-Patrick:

Verweigerung gegen die Kriegsmaschinerie

Zum 1. Dezember hat Hannes Weidmann (20) den Zivildienst verweigert und
wird damit als Totalverweigerer angesehen.
Gleichzeitig steht Jonas Ahlgrimm aus Gießen vor seinem Prozess mit dem
Vorwurf der Dienstflucht am 18. Dezember. Auch er ist Totalverweigerer,
so wie Jan-Patrick Ehlert, der am 19. November nach 42 Tagen aus dem
Militärgefängnis entlassen wurde.

Diese drei jungen Menschen haben sich bewusst dafür entschieden, mit
ihrer Totalverweigerung ein Zeichen gegen Gewalt, Militär und Zwang zu
setzen und dafür auch die Folgen in Kauf zu nehmen.

Jan- Patrick: „Aus meiner Sicht ist die Ablehnung des Wehr- und
Ersatzdienstes die einzige friedliche Möglichkeit gegen die Wehrplicht
direkt vorzugehen und der erste Schritt hin zu einer Welt ohne
Zwangsdienste. Jeder Zivildienstleistende legitimiert durch seinen
Dienst auch die Wehrplicht, da diese die Grundlage auch für den
Zivildienst darstellt.“
Somit ist die Totalverweigerung die einzige Möglichkeit eines
aufgeklärten Pazifisten nach seinem Gewissen zu handeln und legitim:
„Mein Ziel ist eine Herrschaftsfreie Welt ohne Armeen. Nichts ist
unmöglich – Utopien sind möglich.“

Jonas ist anerkannter Kriegsdienstverweigerer und ist nicht bereit den
vermeintlich zivilen Ersatzdienst zu leisten, durch den er im Ernstfall
im Rahmen des Katastrophenschutzes (als Sanitäter etc.) eingezogen
werden könnte und somit in den Kriegsapparat eingegliedert werden würde.
Am 17.12. um 17 Uhr findet für ihn eine Demonstration vom Uni-
Hauptgebäude (Ludwigstraße) aus in Gießen statt, am 18.12. treffen sich
seine Unterstützer um 9 Uhr vor dem Amtsgericht Gießen
(Gutfleischstraße) zu seinem Prozess.

Hannes ist zunächst als anerkannter Kriegsdienstverweigerer am 1.
Oktober zum Zivildienst angetreten, hatte aber wachsende Zweifel daran,
das Richtige zu tun. Sein Entschluss, nicht mehr zum Dienst zu
erscheinen ist für ihn der einzige konsequente Weg: „Ich lehne Gewalt in
Form von Krieg, Militarismus, Bevormundung und Zwangsarbeit ausnahmslos
ab. Der Zivildienst verkörpert aber direkt oder indirekt diese Formen
der Gewalt. Deshalb fordern wir die sofortige Abschaffung von jedem
Zwangsdienst; für eine solidarische Welt ohne Herrschaft und Gewalt.“

Wir haben uns zusammengeschlossen, um eine politische Öffentlichkeit
herzustellen und zusammen mit der Friedensbewegung weitere
Totalverweigerer zu unterstützen.

Unterstützt werden die Totalverweigerer von ihren Soligruppen vor Ort

Kontakte:
Jan- Patrick : totalverweigerung@riseup.net /
http://totalverweigerung.blogsport.de
Jonas: solid-giessen@gmx.net
Hannes: squattheworld@web.de

Jan-Patrick ist frei!

Endlich einmal ein Blogbeitrag mit guten Neuigkeiten: Jan-Patrick ist gestern aus der Bundeswehr „entlassen“ worden und nun auf dem Weg nach Hause.
Wir wollen an dieser Stelle noch einmal allen, die Jan-Patrick oder die soligruppe in irgendeiner Form unterstützt haben, ein großes DANKE ausrichten!

Leider steht nun höchstwahrscheinlich ein Prozess an – dieser wird aber (so wie wir die Justiz kennen) sicherlich erst in ca. einem Jahr statt finden. Dafür wird weiterhin Soli-Kohle gebraucht – also bestellt euch Shirts, macht Soli-Partys!

Der Blog und der Newsletter bleiben bestehen – hier werden weitere Soli- und Infoveranstaltungen angekündigt und irgendwann sicherlich noch ein Abschlussbericht veröffentlicht.

Zukünftige Totalverweigerer (v.a. welche die nach Strausberg sollen), können sich gern an uns wenden um mit Infos und Tipps versorgt zu werden.

Wiederentwaffnung jetzt!

viele grüße
die soligruppe.

zwischen.bericht.05

Heute war mal wieder Besuchstag für Jan-Patrick in Beelitz.
Bis auf lustig rumhampelnde Soldaten (sie nennen es „salutieren“) verlief der Besuch wenig spektakulär – Jan-Patrick wurde mit dem Überlebenswichtigen versorgt und gut unterhalten.
Ansonsten hofft er, dass er nun nächste Woche Mittwoch das letzte mal aus dem Arrest
entlassen wird um dann am Donnerstag „unehrenhaft“ aus der Bundeswehr zu fliegen. Alles andere wäre eine Schweinerei!

Nun aber zu seinem Bericht:

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zwischen.bericht.05

Der Besuch eines Freundes aus Berlin am 06.11. war eine willkommene Abwechslung für die kurze Stunde, die er dauerte. Da ich -wie schon häufiger erwähnt- nicht sonderlich viel Abwechslung erlebe, kam es so, dass das Gesprächsthema nur kurzzeitig mein Befinden im Arrest war. Es war einfach schön mal über was anderes, bzw. überhaupt mal ein bisschen zu reden (die Soldaten haben hier in Beelitz bislang ja kaum mit mir gesprochen). Außerdem konnte ich endlich mal wieder etwas mit Geschmack trinken. Ansonsten habe ich auf der Zelle nämlich nur Mineralwasser – und im „Mannschaftsheim“ einkaufen und auch noch Geld bei der Bundeswehr lassen muss ja nicht sein.
Am Tag nach dem Besuch kam leider keine Post für mich und so musste ich ohne beantwortete Briefe ins Wochenende gehen. Das Wochenende war bis auf eine kleine Ausnahme genauso langweilig wie das zuvor. Sonntag fand auf dem angrenzenden Sportplatz während meiner Ausgangszeit ein Fußballspiel statt, dass ich mir durch zwei Zäune anschaute. Meine Ausgangszeit durfte ich sogar um etwa 15 Minuten über strapazieren um bis zum Abpfiff zu schauen. Schön war das Spiel nicht, aber amüsant, weil einer der Schiedsrichterassistenten in der zweiten Halbzeit nur noch sporadisch am Spielfeldrand stand und die Fehler des Schiedsrichters lauthals kritisierte.
Montag gab es wieder ein wenig Post. Dabei war auch ein dicker Umschlag mit mehreren Briefen, der erst jetzt aus Holzdorf nach Strausberg und von dort nach Beelitz nachgeschickt wurde. So bekam ich Post, die teilweise über 2 Wochen alt war, erst jetzt. Dass manche von euch noch keine Antwort erhalten haben liegt somit daran. Ein weiterer Grund ist der, dass ich von einigen Menschen nicht zum ersten Mal Post bekam, nun aber eine Antwortadresse fehlt – und meine gesammelte Post in Strausberg im Spind liegt. Zu dem war ich am Wochenende zu sehr im „Harry-Potter“-Wahn, so dass ich es immer weiter verschob Briefe zu beantworten, die seither gekommen sind. Alles was noch nicht beantwortet ist wird ab Freitag beantwortet, bzw. sobald mir die Antwortadressen vorliegen.
Dienstag kam gar keine Post für mich an, dennoch bekam ich einen kurzen Besuch aus Strausberg. Mittwoch ist bisher niemand gekommen und aufgrund der Uhrzeit vermute ich, dass auch niemand kommen wird. Folglich wird auch heute keine Post für mich gekommen sein.
Natürlich besteht auch die Möglichkeit, dass die Soldaten keine Lust mehr aufs Autofahren haben oder mir aus einem anderen Grund keine Post mehr gebracht wird. Für den Fall, dass ihr Post so versendet habt, dass ich sie am 11. oder 12.11. hätte bekommen müssen, dann wäre das ein Indiz für letztere Vermutung. Vielleicht wollen aber heute [Mittwoch] aber auch bloß alle beim Gelöbnis in Strausberg dabei sein und weinen, wenn die andern ihre vaterländische Treue schwören.
Seit dem letzten Zwischenbericht scheinen die Soldaten komischerweise gesprächiger zu werden. Jedenfalls finden sich beim Rauchen oder beim Ausgang immer mal wieder ein Gesprächsthema. Klar sind das nicht unbedingt horizonterweiternde Gespräche, aber immerhin besser als ständig zu schweigen.
Heute kam übrigens ein neuer Arrestant in die Zelle nebenan. Kontaktmöglichkeiten gibt es aber keine, da getrennt zum Essen gegangen wird und sich die Wünsche zu rauchen nicht überschneiden. Allerdings ist der andere Arrestant auch „richtiger“ Soldat, der nur einfach gegenüber eines Vorgesetzten die Beherrschung verlor und die Hände nicht bei sich lassen konnte.
Gerade habe ich zum dritten Mal zu Hause anrufen können und nun die Namen meiner BesucherInnen erfahren. Somit hab ich morgen wieder etwas, auf das ich mich freuen kann.
Da sich dieser Bericht nun dem Ende neigt, möchte ich nochmal alle darauf hin weisen, dass ich die handvoll Briefe, die noch unbeantwortet sind, nun beantworten werde. Da dieser Arrest in sieben Tagen endet und dann mit jedem Tag meine „unehrenhafte“ Entlassung wahrscheinlich wird, will ich jetzt nicht erneut um mehr Briefe bitten. Wartet erstmal ab, ob es noch zu einem vierten Arrest kommen wird und macht dann im Fall des Arrestes so weiter wie vor drei Wochen noch. Die momentane Rate von etwa einem Brief täglich kommt nicht an die fünf-Briefe-je-Tag-Rate ran.
Naja, ich hab noch genug Bücher hier und weiß mir auch ohne Post die Zeit zu vertreiben….

drückt mir die Daumen….
Jan-Patrick (Pogo)

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Nun bleibt uns noch die Aufforderung an jeden Soldaten sich ein Beispiel an den beiden Arrestanten in Beelitz zu nehmen!
Wir sehen uns Samstag zur Kundgebung in Beelitz (mehr Infos unter Solidarität

zwischen.bericht.04

Gestern war Besuchszeit in Beelitz und so erreicht uns folgender Zwischenbericht von Jan-Patrick.

…und nicht vergessen: am 15.11. um 13:00 Kundgebung in Beelitz! Freiheit für Jan-Patrick!

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zwischen.bericht.04

Als ich am 30.10. wieder „meine“ Kaserne betrat, schleppte ich mich erstmal an meinem Gepäck über das halbe Kasernengelände hinweg fast zu Tode. Kaum hatte ich dieses abgelegt, ging es mal wieder zum Arzt zur Untersuchung auf Arresttauglichkeit. Zu meiner Verwunderung gab es diesmal nicht nochmal einen Befehl, den ich verweigert hätte, um mich vorläufig Festnehmen zu können wie es noch am 06.10 passiert ist. Vielleicht haben die Soldaten endlich verstanden, dass ich nicht einfach verschwinde. Dennoch konnte ich nur unter Begleitung zum Arzt oder rauchen gehen.
An meiner Tauglichkeit hatte sich natürlich nichts verändert und somit konnte es eigentlich losgehen. Allerdings wollte der „richtige Chef“ nochmal mit mir sprechen. Dieser Chef ist Oberstleutnant Sander und Kasernenleiter. Zugleich ist er wohl die unfreundlichste Person, die mir bei der Bundeswehr begegnet ist. Auch er wollte von mir persönlich nochmal hören, weshalb ich das mache, begann aber selbst erstmal zu schwadronieren. Als er dann sagte „Wenn meine Kinder so etwas machen würden, würde ich mir ernsthaft die Frage stellen , ob ich in der Erziehung etwas falsch gemacht hätte.“ wäre mir fast der Kragen geplatzt. Da dies aber keinen Sinn gehabt hätte und ich – anscheinend im Gegensatz zu ihm wie auch ein weiteres Beispiel zeigen wird- nachdenke, bevor ich spreche, hielt ich es für angebracht ihm nur kurz und knapp zu antworten und ihn über meine Gründe im Dunkeln zu lassen. Im Verlauf des Aufgrund dieser Tatsache recht einseitigen Gesprächs erklärte er mir dann offen, dass er „Soldat aus tiefster Überzeugung“ ist. Soll also heißen, dass er sich durch mich in seiner Vaterlandsliebe gekränkt fühlt, deshalb zunächst die erzieherischen Fähigkeiten meiner Eltern anzweifelt und mich aus demselben Grund so lange weg sperren will bis jemand von außen eingreift, also beispielsweise das Truppendienstgericht einen weiteren Antrag auf Arrest nicht statt gibt.
Nun gut, wenigstens lässt sich nun einwandfrei feststellen, dass spätestens dieser dritte Arrest nicht mehr den „erzieherischen Zweck“ verfolgt, den Bundeswehrarreste nur haben dürfen. Stattdessen dient dieser und jeder weitere Arrest als Strafe und ist somit rechtswidrig. Mein Anwalt wird sich in dieser Sache sicherlich ins Zeug legen, damit Oberstleutnant Sander sein offenbar gekränktes Ego nicht auf meine Kosten wieder aufpolieren kann.
Nach dem Gespräch war ich regelrecht froh in den Arrest zu kommen und zu wissen diese Person so schnell nicht wiederzusehen. 21 Tage Beelitz klang für einen Moment sogar fast nach Urlaub.
Gegen Mittag kam ich in der „neuen Heimat“ an und es hieß erstmal lange zeit zu warten bis der Papierkram erledigt war. Dabei saß ich in einem Büro zweier Soldaten, die mir während sie alles fertig machten, einen Kaffee anboten. Zum Schluss durfte ich neben meinem Anwalt auch noch meine Familie und meine MitbewohnerInnen anrufen, leider erreichte ich aber nur meine Familie, die aber anscheinend alles exakt weitergeleitet haben.
Da vor der Fahrt meine Post in Strausberg nicht eingepackt wurde und ein langes Wochenende vor der Tür stand blieb mir vier Tage nur das Lesen, was mir allerdings auch nichts machte. Ich hoffte so am Montag auf ganz viel Post aus einer Woche. Leider folgte dann die Ernüchterung: „Nur“ zwei Briefe kamen an, am Tag darauf war es aber deutlich mehr und den Poststempeln nach zu urteilen teils aus der Vorwoche. Die fünf Postsendungen täglich werden momentan zwar nicht erreicht, ich habe aber auch noch Lesestoff en masse. Dennoch würde ich mich über ein wenig mehr Post natürlich freuen und beantworte immer noch jeden Brief.
Die Tagesabläufe sind denen in Storkow und Holzdorf erwartungsgemäß ähnlich, allerdings ist es hier kein Problem, wenn ich außerhalb der „Hygienezeiten“ duschen möchte. Leider ist das Kasernengelände ein wenig klein, sodass ich mich in der Stunde Aufenthalt unter freiem Himmel an eine kleine Spazierstrecke halte, die mich nicht nur Gebäude sehen lässt. Zu meiner Empörung stellte ich fest, dass in diese Kaserne ein Übungsgelände mit dem Namen „Klein Kosovo“ existiert. Dieser Name ist auf den offiziellen Wegweisern im Kasernengelände ausgeschildert. Schön is‘ anders…

Nun ja, zu meiner Freude liegt Beelitz nicht im Nirgendwo und ich hatte Gelegenheit Menschen sofort darüber zu informieren, wo ich gelandet bin. Daher erwarte ich heute auch Besuch und nächste Woche scheint es auch ziemlich fest zu klappen. Ich freu mich jedenfalls darauf.
Das soll es erstmal gewesen sein….
Ich denke, dass der nächste Bericht nächste Woche da sein wird, obwohl dieser dann vermutlich weniger Neues enthalten wird.

Bis dann,

Jan-Patrick (Pogo)

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„Soldat aus tiefster Überzeugung“ – Oberleutnant Sander.

Protest-Postkarten / Post:

Kasernenkommandant / Oberstleutnant Peter Sander
Barnim-Kaserne
Umgehungsstraße 1
15344 Strausberg

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Nette Post an:

Jan-Patrick Ehlert
Barnim-Kaserne, 18. Kompanie Luftwaffenausbildungsregiment
Umgehungsstraße 1
15344 Strausberg



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